2 Kinder auf Krücken – Rumpelstilzchen und Dramaqueen

24. Mai 2014

OH NEIN! Nun läuft unser Sohn schon seit 7 Wochen auf Krücken, darf endlich den Fuß ein wenig belasten und die Muskulatur langsam aufbauen – da passiert es: Unsere Tochter hebelt mit dem Tornister auf dem Rücken versehentlich unsere ca. 3,20m hohe Schuhschranktür im Flur aus, die ihr mit Karacho auf den linken Fuß fällt, als sie zur Schule gehen will. Schon beim ersten Blick auf den innerhalb weniger Sekunden blau angelaufenen Fuß ist klar: der ist gebrochen! Alles organisieren für den Sohn, der ja auch jetzt zur Schule muss und derzeit genauso gehandicapt ist und außerdem bin ich heute Vormittag für den Schulkiosk eingeteilt.. Telefonate laufen ins Leere, mir läuft die Zeit davon, mein Kind muss versorgt werden – manchmal drückt alles auf einmal und man zerreißt sich förmlich.

Humpel-Kumpel

Die Röntgenaufnahme muss der Arzt gar nicht mehr erklären – ich sehe schon: glatter Mittelfußbruch! Meine Tochter weint sich die Augen aus dem Kopf, nicht nur wegen der Schmerzen, sondern vielmehr um all die verflossenen Sommerpläne. Sie hatte am Vorabend erst den Pool im Garten aufgebaut, das Trampolin konnte endlich wieder genutzt werden, denn endlich war er da – der Sommer! Und nun? Nichts mehr mit baden im Garten, hüpfen, springen, Wassersprenger durchrennen etc. Die Tränen liefen in Sturzbächen. Eine Gipsschiene wurde gefertigt und Krücken angepasst. Tja: da habe ich nun 2 Kinder auf Krücken zu Hause! Als ob das nicht schlimm genug wäre, den Kindern plötzlich wieder alles hinterher zu tragen und festzustellen, dass man sich um 10 Jahre zurück versetzt fühlt als sie noch 3 und fast 1 Jahr alt waren… 

 

Zwei Pubertierende auf Krücken unter einem Dach

Die Kinder sind auch noch gleichzeitig in der Pubertät – die 10-jährige benimmt sich wie Dramaqueen, der 13-jährige kontert mit Ausrastern wie Rumpelstilzchen! „Mir tun die Hände so weh wegen der Krücken. Leihst du mir deine Fahrradhandschuhe?“, fragt Dramaqueen mit quäkender Stimme. „Pfff, nööö, wie käme ich dazu? Die brauche ich doch selbst! Such gefälligst deine eigenen!“ – „Die sind aber zu klein. Ich brauche deine!“ – „Vergiss es!“. —  Uaaahhh, da könnte Mama im Achteck springen. Zähne zusammen beißen, schlichten oder weghören… 

Krücken-Mikado


Wie oft ich hier Krücken hinterher schleppe, Treppauf – Treppab, Malzeug, Gläser, Teller etc, nachher alles wieder wegräumen, was die Kinder ja sonst allein können. Ist das eine Kind zufrieden und versorgt, quäkt das andere herum. Ich werde noch wahnsinnig dabei! Mein Mann kommt am Abend nach Hause und bittet um Mithilfe beim Wahlkampf-Finale… Ich bin schon völlig am Ende, die Nerven liegen absolut blank. 

Sonst noch jemand hier, der etwas von mir will?? Ja, ICH! Ich selbst freue mich auf 20 Minuten Zeit für meine 100-Tage-Sportchallenge, dabei hätte ich hier zu Hause schon genug Challenge. Die Challenge, die einem das tägliche Leben beschert.

neues Markenzeichen – die gekreuzte Wade
 

 

Ideen, wie sich Kinder auf Krücken besser zurecht finden

Jammern hat noch nie besonders gut geholfen, außerdem hatte ich den Spruch meiner Freundin Sue im Ohr „Immer schön in Lösungen denken!“. So sprachen wir mit den Kindern, dass das so nicht weitergeht, sie ihre Möglichkeiten finden müssen, trotz Handicap flexibel zu bleiben, nicht alles einfach ruhen zu lassen nach dem Motto „Mama macht das schon“. Das Gespräch bewirkte, dass der Sohnemann dann doch ganz bereitwillig die Radhandschuhe verlieh – schließlich geht es der Schwester gerade schlechter als ihm selbst – und wir fanden einige Dinge, die die Logistik vereinfachten:

  • Unser Sohn baute eine Vorrichtung für die Treppe, indem er ein Band an die 2. Krücke band. So konnten beide Kinder nun mit einer Krücke und Handlauf die Treppe erklimmen, die 2. Krücke über dem Geländer baumelnd mit nach oben ziehen. Also musste ich nicht mehr ständig hinterherlaufen, um die 2. Gehhilfe nachzutragen. 
  • Töchterchen war gefrustet, da sie ja den Gips nicht ablegen kann, um sich anzuziehen und nur eine einzige kurze Hose mit weitem Bein besitzt (derzeit trägt man ja nur slim-fit). Also fuhren wir ins Sportgeschäft, kauften neue Fahrradhandschuhe und weite Sporthosen in allen Längen – für jedes Wetter. Belustigt waren die Verkäufer und Kunden, als sie sahen wie wir durch die Gänge sausten.. Man muss sich nur zu helfen wissen! 
  • Das Bringen und Wegräumen von Spielzeug, Malzeug etc wurde erleichtert, indem jedes Kind nun einen Rucksack trägt. Vorn herum getragen kann nun alles transportiert, ein- und ausgeräumt werden. 
  • Die olle Gipsschiene mit Verband kann trotzdem bemalt werden – auch wenn die Arzthelferinnen etwas anderes vermuteten. Unsere Tochter hat alle Freundinnen unterschreiben lassen und zudem selbst noch lustige Sachen darauf gemalt. Dazu den Spruch „Immer fröhlich bleiben“ – und auf die Hacke sogar etwas selbstironisch „Bis gleich!“
  • Wir wollen am Wochenende Filme ausleihen wie „Die Wilden Hühner“ und gemeinsam lachen und genießen – sei es mit Pizza auf dem Schoß. Man muss sich einfach was gönnen in so einer blöden Situation..
  • Ein verlängertes Wochenende an der Nordsee wird trotzdem durchgezogen, wir leihen zwei Rollstühle aus und fahren unsere Kinder über die Insel – so doof wie das für andere auch aussehen mag. Die Luft tut gut und heilt die Seele!

Na also – so strickt man sich das Leben schön, auch wenn es manchmal düster aussieht.. Haltet euch wacker und bleibt gesund! 

Alles Liebe, eure 

Unterschrift Stephie

 

 
 



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5 Kommentare

  • Antwort Rabea 1. Juni 2014 at 17:36

    Hallo Stephie!

    Ich lese erst seit kurzem deinen Blog, finde ihn aber sehr schön, so dass er sofort in meine Linkliste gewandert ist.
    Und wenn ich mich nicht irre habe ich dich am Mittwoch gesehen.
    Kann es sein, dass ihr am Mittwoch Abend nach Borkum gefahren seid?
    Ich sah ein Auto mit einem Ehepaar und zwei Kindern mit Gipsfuß, denen ins Auto geholfen wurde und da musste ich schmunzeln und dachte mir so viele Zufälle kann es nicht geben.
    Und, habe ich recht? Ihr hattet sicherlich eine schöne Zeit, denn das Wetter war ja traumhaft.
    Ich hoffe ihr konntet trotz Handicap ein wenig entspannen.

    Ganz liebe Grüße, Rabea

  • Antwort HappyIch 26. Mai 2014 at 9:55

    Liebe Stephie,
    jeden Tag denke ich an Dich und die zwei Krückenkinder! Und wie schön zu lesen, dass mein „Immer in Lösungen denken“ geholfen hat. Da fühle ich mich schon ein bisschen geehrt! Ich finde das toll wie Du das wuppst und ihr gemeinsam Hilfestellungen findet. Denn es kann einfach nicht sein, dass Du über 12 Wochen oder gar länger der Krückensklave wirst. Natürlich können die beiden nicht alles, aber es gibt vieles was sie können und jetzt auch lernen dürfen. Und das macht ja dann auch stolz, wenn man etwas auch mit Krücken kann! Ich drücke Dich feste!!
    Deine sue

  • Antwort HomeLove 25. Mai 2014 at 22:40

    Hallo Stephie !
    Zwei Kinder mit Krücken ??? Das ist ganz bestimmt kein Zuckerschlecken. Weder für die Kinder, noch für die Eltern ! Ihr habt mein vollstes Mitgefühl !
    Ich kann nur sagen : Kopf hoch und irgendwie durch ! Es wird ja wieder !
    Liebe Grüsse und eine gute Woche,
    Anja

  • Antwort Simone 25. Mai 2014 at 16:50

    Liebe Stephie,
    habe soeben Deinen Post und somit von Deinem bzw. Eurem Pech gelesen. Du tust mir wirklich leid. Bewundernswert, dass Du trotz des Chaos noch kreative Ideen hast um die Situation zu verbessern.
    Macht das Beste daraus – auch wenn es schwer wird. Ach ja: Und passt auf, dass an der Nordsee kein Sand in den Gips kommt ;-)
    Liebe Grüße
    Simone

  • Antwort Melanie S. 24. Mai 2014 at 12:37

    Fühl dich ganz doll gedrückt liebe Stephie!
    Auch wenn ihr ein paar gute Möglichkeiten finden konntet, dass nicht alle Arbeit an dir hängen bleibt so hast du ja dennoch jede Menge zu tun! Hoffe, du findest immer wieder etwas Zeit für dich allein!
    Kennst du die smash-books, vielleicht ist das ja was für deine Kids um ein bisschen kreativ gegen die Langeweile zu arbeiten. Gute Besserung an die beiden Patienten!
    Liebe Grüße,
    Melanie

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