Cybermobbing – gibt’s bei uns doch nicht!?

23. September 2013
Gefahren und Chancen Internet und Smartphone fuer Kinder. Cybermobbing Vermeidung und Hilfe

Die Würde des Menschen ist unantastbar 

(Art. 1, Abs. 1, Grundgesetz) 
 
 
Von Anfang an geben wir unseren Kindern wichtige Spielregeln und Verhaltenshinweise mit auf den Weg, um sich in der Gesellschaft angemessen bewegen zu können. Heutzutage aber bedeutet das für Eltern nicht nur, den Kindern die Straßenverkehrsregeln, das Benehmen bei Tisch und anderen Menschen gegenüber beizubringen. Wir Eltern sind gefordert, einen weiteren Erziehungs-Aspekt hinzuzunehmen, den unsere Eltern noch nicht kannten: DAS INTERNET! 

Gefahren und Chancen Internet und Smartphone fuer Kinder. Cybermobbing Vermeidung und Hilfe

 
 
Damals bekamen meine Kinder erst ein Smartphone, als sie die Grundschule verließen. Das Internet war zu diesen Zeiten nur ein Thema am Rande. Mein Sohn hatte ab der sechsten Klasse WhatsApp und ein paar altersgerechte Spiele auf dem Handy. Unsere Tochter hatte aufgrund dessen, dass sie drei Jahre jünger ist, damals nur ein Notfall-Handy zum Telefonieren. Heutzutage besitzen viele Kinder bereits ab der ersten Klasse eigene Smartphones.
 
Zu Hause gab es von Beginn an feste Medienzeiten und Regeln zur Nutzung, die meist auch eingehalten wurden. „Was soll im Alter von 12 Jahren schon großartig passieren?“, dachte ich. Da ist doch noch alles unter Kontrolle. Zumindest dachte ich das bis zu einem Vorfall, den mein Sohn in der 6. Klasse einer angesehenen, privaten Schule miterleben musste: 
 

Cybermobbing an Schulen ist nicht neu

Eines Tages kam mein Sohn sehr niedergeschlagen und aufgeregt nach Hause. Dieser Vorfall ist derweil fünf Jahre her und immer noch Thema. Er erzählte mir folgende Begebenheit:
 
Eine zwölfjährige Mitschülerin hatte für ihren Freund äußerst pikante Fotos mit dem Handy aufgenommen. Sie sendete diese gutgläubig per Messenger an ihren Freund. Er aber behielt diese Bilder nicht für sich privat, sondern nutzte das Vertrauen des Mädchens schamlos aus: Er schickte diese sehr persönlichen Fotos über sein Handy an einen weiteren Freund weiter.
 

Und plötzlich überrollt die Kinder eine ungeahnte Cybermobbing-Maschinerie 

Hier rollte plötzlich nicht nur ein Schneeball, sondern gleich eine ganze Lawine! Innerhalb weniger Stunden erhielten zahlreiche Schüler im gesamten Umkreis die pornographischen Bilder über WhatsApp-Gruppen und Facebook. Eine unaufhaltbare Multiplikation der kompromittierenden Fotos nahm seinen Lauf.
 
Nicht nur der zweite Empfänger der Bilder hat diese verbreitet, sondern auch fast alle anderen! Was dies für das Mädchen bedeutete, kann sich Jeder denken. Nur ein einziges Mädchen hatte sich damals an einen Erwachsenen gewandt und die Tat gemeldet!
 
Die psychischen Folgen für das betroffene Mädchen sind heute noch spürbar. Sie wechselte auf eigenen Wunsch die Schule und es gab Konsequenzen für den „Freund“. Die Polizei und das Jugendamt wurden eingeschaltet. Es gab Schulverweise für ein weiteres Kind (über 14 Jahre alt und somit bedingt strafmündig), welches maßgeblich an diesem und weiteren  Cybermobbing-Taten beteiligt war. 
 

Kindheit kann schneller vorbei sein als gedacht

Wir dürfen weder die Nutzung von Smartphones noch des Internets verteufeln. Diese wahre Geschichte ist glücklicherweise nicht an der Tagesordnung. Doch denkt bitte nicht, eurem Kind könnte Mobbing per Internet nicht passieren. Denn was wir später erlebten, als unsere Tochter dann im Alter von elf Jahren ihr erstes Smartphone bekam, hat sicher keinen Seltenheitswert:

Mobbing durch Diffamierung und Ausschluss von WhatsApp-Gruppen ist sehr wohl an sämtlichen Schulen ein großes Thema. Eure Kinder müssen nicht einmal in sozialen Netzwerken wie Instagram, Facebook und Snapchat vertreten sein. Alleine die Kommunikation per Messenger-Dienst kann Mobbing per Internet auslösen. Leider meldet dies nicht jedes Kind zu Hause, sondern lässt es still über sich ergehen.

Schließlich ist heutzutage das Mobbing bis ins eigene Kinderzimmer vorgedrungen: Das Kind sitzt im geschützten Zuhause und bekommt schlimme Nachrichten direkt ins Kinderzimmer geschickt. Das sollte nicht unterschätzt werden! 

Cybermobbing bei Kindern. Was Eltern tun koennen. Kind mit Smartphone

 

Was Eltern gegen Cybermobbing tun können:

Unterstützen 

Das Internet bietet so viele Informationen und Hilfestellungen, die heute auch in der Schule eingefordert werden. Und das ist gut so! Unsere Kinder müssen den Umgang mit dem Internet lernen. Es ist ein Teil ihres Lebens, welches wir zwar als Kinder so nicht kannten, deshalb aber nicht grundsätzlich schlecht ist. Ein Verbot des Umgangs mit dem Internet, Messengerdiensten und Social Media Plattformen kann also keine Lösung sein!

Wir müssen die Kinder unterstützen und ihnen zeigen, was geht und was nicht. Setzen wir uns doch mal mit den Kindern gemeinsam vor den Rechner, das Tablet oder das Smartphone. Indem wir ihnen zeigen, wie das alles funktioniert und sie vorwarnen, wo die Gefahren lauern, helfen wir gezielt auch Mobbing zu vermeiden.

Vertrauen schaffen & handeln

Unsere Kinder müssen nicht erst barfuß über die Stolpersteine des Internets laufen und sich die Füße aufhauen. Sagen wir den Kindern bitte deutlich, dass es kein Petzen oder Verrat ist, wenn sie von Cybermobbing und merkwürdigen Begegnungen auf dem Smartphone erzählen. 

Beleidigungen sollen sie nicht einfach hinnehmen und möglichst auf keinen Fall auf ähnlichem Niveau antworten! Macht einen Screen-Shot (=Foto des Bildschirms) als Beweissicherung und überlegt gemeinsam, was zu tun ist. Sollte das Ausmaß entsprechend schlimm sein, muss auch die Schule informiert werden, bei weitergehenden Verletzungen auch die Polizei!

Aber bitte: nicht einfach so löschen und denken, das gäbe sich bestimmt bald wieder! Nehmt eure Kinder ernst. Nur so können sie euch vertrauen!

Aufklären & schulen

Verantwortungsbewusste Aufklärung ist das Schlagwort! Wir müssen unsere Kinder nicht nur beim Absolvieren der Radfahrprüfung in der vierten Klasse unterstützen, sondern ebenso durch die Wirrungen des Internets führen. Ein Schulfach „Medienerziehung“ als Pflichtfach wäre doch mal ein guter Ansatz. Wir müssen Medienkompetenz nicht nur in den oberen Klassen lehren, sondern bereits ab der Grundschule.  

Ohne politisch werden zu wollen: Ich plädiere für einen Internetführerschein in der Grundschule! Selbstverständlich können nicht nur Lehrer Aufklärung bieten, sondern ganz besonders auch die Eltern sind hier gefordert. Offenbar werden die Kinder immer früher mit dem Internet konfrontiert und stehen diesem oft schutzlos gegenüber.

Filter zur Kindersicherung setzen

Es lässt sich alles googeln und dabei können Bilder und Seiten auftauchen, die das Kind gar nicht verarbeiten kann. Abhilfe schafft ein guter Filter, den hoffentlich alle Eltern in den zur Verfügung stehenden Internetmedien gesetzt haben. Wie ihr den Jugendschutz bei Google einstellt, lest ihr hier. 

Damit lässt sich das Cybermobbing noch nicht ausschalten, aber hilfreich ist es dennoch, wenn das Kind nicht alles offen zu sehen bekommt. Beim Fernsehen achten wir schließlich auch darauf, dass das achtjährige Kind nicht beim Tatort zuschaut. Im Übrigen gibt es auch für Smartphones Apps und Einstellungen für die Kindersicherheit. Empfehlungen dazu gebe ich hier nicht, da sich diese Tools zu schnell entwickeln. Fragt doch mal bei Bekannten, Freunden und in der Schule nach. 

Eltern sollten wissen, was ihre Kinder interessiert

Wir Eltern sollten nicht nur wissen, wo sich unsere Kinder faktisch befinden und mit wem sie gerade unterwegs sind. Auch die Internetfreunde und genutzten Social Media Plattformen sollten wir Eltern kennen. Wir müssen uns damit beschäftigen und nicht unsere Augen davor verschließen. Auch ich nutze Snapchat nicht, aber ich weiß theoretisch wie es funktioniert. 

Wir haben unsere Kinder dazu aufgefordert, die Ortungsfunktion bei Snapchat abzustellen. Nicht witzig finde ich nämlich, wenn jeder Snapchatter sieht, wo sich meine Kinder gerade aufhalten! Apropos „jeder“: Wichtig ist ebenso die Privat-Einstellung in allen Plattformen, so dass nur zugelassene Freunde das Profil sehen können. Außerdem sollten die Kinder nicht ihre Gesichter zeigen, so unsere Anweisung.

Hilfen zum Thema Cybermobbing

Klärt eure Kinder auf! Sie können zu Opfern und ungewollt auch zu Tätern werden. Bereits ab 14 Jahren sind Kinder bedingt strafmündig. Und eine Straftat im Internet oder über das Handy wird genauso verfolgt wie ein Ladendiebstahl – das sollten eure Kinder wissen. Was ist strafbar und womit verletze ich die Persönlichkeitsrechte eines Anderen?
 
Elterliches Bauchgefühl mit gesundem Menschenverstand ist auch in Bezug auf Internetnutzung unabdingbar. Nicht jedes Kind ist gleichermaßen sozial entwickelt. Die Gefahr von WhatsApp-Gruppen und Social Media kennen wir nun. Diese überaus schnelle Verbreitungsmöglichkeit von verletzenden Bildern, Kurzvideos, Audiodateien und Texten sind unaufhaltsam!
 
Wie benehme ich mich sozial und richtig im Internet? Einige Hilfen gibt es auf den empfohlenen Internetseiten. Durch Recherchen und den Austausch mit anderen Eltern konnte ich viele Hinweise dazu bekommen. Es gibt offline und online einige Präventivmaßnahmen und Hilfen für Opfer von Cyber-Mobbing.
 
 

Hilfreiche Links zu Verhalten im Internet  


Außerdem gibt es bei der örtlichen Polizeiberatung Broschüren zum Thema „Kinder sicher im Netz“.
 
Ich freue mich über eure Erfahrungen und Tipps zum Thema. Gern erweitere und aktualisiere ich 
den Beitrag dann entsprechend. 
 
Alles Liebe, eure 

 
 
 
 
 
 

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2 Kommentare

  • Antwort AnneS 24. September 2013 at 20:41

    Hallo, ein sehr ernstes Thema, was du hier aufgreifst.
    Mediennutzung erst in Klasse 6/7 zu thematisieren ist viel zu spät!
    Medienerziehung muss ein bedeutender Baustein in der Grundschule sein.
    Nicht wenige Fachleute sind inzwischen der Meinung, dass die Entwicklung von Medienkompetenz neben der Lesekompetenz, der Rechtschreibkompetenz und der mathematischen Kompetenz gleichrangig in der Grundschule behandelt werden muss.
    Natürlich gehört dazu nicht allein das Internet, sondern auch andere Medien wie Bücher, Zeitschriften, Fotos, …
    Wenn aber nicht in der Grundschule in Klasse 3/4 begonnen wird, den Kindern Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren des Internets deutlich zu machen, ist der Zug abgefahren (wenn nicht technisch versierte und interessierte Eltern ihren Kindern das zuhause beibringen!).
    Ein Beispiel: Schüler-VZ (eigentlich schon out) ist ab 12 Jahren erlaubt, facebook ab 13. Wer weiß das von den Eltern (und kontrolliert bzw. verbietet es ggfs?).
    In diesem Sinne viele Grüße von
    AnneS

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