Zeugnisse – Giftblätter – zwischen lachen und weinen

7. Februar 2014

Wie fühlt ihr euch heute? Wie fühlen sich eure Kinder heute? Heute – der Tag der Zeugnisausgabe in NRW. Das ist für die Einen ein ganz normaler Tag, an dem es nur 3 Stunden Unterricht gibt und man sich freut, früher nach Hause zu gehen. Diese Kinder haben sicher ein „schönes“ Zeugnis.
So wie die Meinen – ihre Zeugnisse sind hervorragend ausgefallen. Unsere Tochter brachte grandiose Ergebnisse mit und beim Sohnemann werden wir auch sehr zufrieden sein. Da sind heute auf jeden Fall entsprechende Belohnungen fällig.

Traumzeugnis der 4. Klasse

 

Dann gibt es aber leider auch Kinder, die sich nicht nach Hause trauen und die am liebsten bis zum Nachmittag in der Schule verweilen möchten, um nicht zeigen müssen, was sich in ihrer eigens dafür mitgenommenen Klemm-Mappe befindet.

Diese Kinder tun mir unendlich leid. Viele wissen, dass sie hätten besser sein können und dass das Herumdrücken vor Hausaufgaben und Lernen für Arbeiten sich eben leider nicht auszahlt oder verstecken lässt. Zu spät? Naja, zunächst ist es ja das Halbjahreszeugnis – da kann man bis zum Schuljahresende sicher noch einiges reißen. „Hoffentlich hat mein Sohn / meine Tochter daraus gelernt“, denken die Eltern.

 

Konsequenzen bei schlechtem Zeugnis?

Nicht alle Eltern haben dabei Mitleid mit dem Kind, sondern schimpfen und zücken schlimme Konsequenzen, die sie wahrscheinlich schon länger angekündigt haben.
Dieser Grat ist ganz schmal – zwischen Trösten für ein schlechtes Zeugnis und Klarstellen, dass es nicht so weitergehen darf. Dafür das richtige Händchen zu haben, stellt eine große Herausforderung dar:

Man muss abwägen, ob es für das Kind schon genug „Strafe“ bedeutet, dass das Zeugnis so aussieht, wie es nun daliegt oder ob man den Eindruck hat, dem Kind ist es ziemlich gleichgültig.

Ich spreche aus eigener Erfahrung, wenn ich sage: Dem Kind ist es sicher nicht egal, auch wenn es so wirkt! Schlechte Noten stellen immer eine Art eigenes Versagen dar, wobei man Hilfe benötigt, um da wieder herauszukommen. Die Frage ist: Hat das Kind es nicht verstanden (= kann es nicht besser?) oder ist es einfach zu faul (= keine Motivation?).

 

Eigene Erfahrungen sollten milde stimmen

Meine mangelnde Lernbereitschaft war sicher in der Pubertät zu suchen, aber auch im Umgang zu Hause bei zunächst vermeintlich schlechten Noten. Alles, was schlechter war als eine Eins, wurde hinterfragt, warum es nicht besser war. Eine Zwei wurde schon als Versagen bewertet – also tat ich kaum noch etwas für die Schule, denn ich war ja sowieso nie gut genug in den Augen meiner Eltern. Außerdem fiel es mir ja auch leicht.

Es folgten Konsequenzen mit der ersten Fünf, dann war es kaum aufhaltbar und es rasselte schlechte Noten. Meine Eltern waren ratlos, auch die Lehrer beteuerten, dass es nichts mit Unwissenheit zu tun habe. Defizite schlichen sich ein und ich kam nicht mehr hinterher – ab der achten Klasse ist das eben auch nicht mehr zu schaffen ohne dafür zu lernen.

Bei mir haben Strafen und der Entzug sozialer Kontakte eher das Gegenteil bewirkt. Nachhilfe war sowieso langweilig. Ich fiel immer tiefer in das schwarze Loch des Versagens. Auch ich habe letztlich ein gutes Abitur gemacht, aber der Weg dorthin war steinig und schwer.

 

Kinder möchten gut sein in allem, was sie tun!

Das möchte ich keinem Kind wünschen. Sicher wussten meine Eltern es nicht besser, denn böse Absicht unterstelle ich niemandem. Jeder möchte das Beste für sein Kind – damit steht man als Eltern aber manchmal auch hilflos da und reagiert falsch, was sich oft erst im Nachhinein herausstellt.

Vielleicht hat euer Kind ein unerfreuliches Halbjahres-Ergebnis bekommen? Dann wünsche ich euch von Herzen, dass ihr über Gespräche mit Lehrern und dem Kind (ohne Angst einzuflößen) zu einer guten Lösung findet, wie Defizite ausgeglichen werden können.

Nehmt die Noten nicht persönlich! Manchmal muss man auch nur die Lernstrategie ändern, wie ich schon in meinem Post über das „verflixte 7. Schuljahr“ geschrieben habe. Neue Anforderungen = anderes Lernen.

Ich bin auf jeden Fall froh, wenn meine Kinder ohne große Probleme durch die Schule gehen, irgendwann einmal ihr Abitur in der Tasche haben und sagen können „Ich hatte eine schöne Schulzeit!“. Ob es uns gegönnt wird, kann ich noch nicht absehen, aber derzeit sieht es gut aus.

Zeigt euren Kindern, wenn ihr euch über das Zeugnis freut und sagt es ihnen auch, wenn ihr euch sorgt.

Immer in Liebe, so schwer das dann auch fallen mag.

In diesem Sinne wünsche ich allen – Schülern und Eltern ein wundervolles Wochenende – vielleicht mit einem Kinobesuch, einem gemütlichen Spieleabend zu Hause und ganz viel Harmonie!

Alles Liebe, eure

 
Unterschrift Stephie
 

 

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1 Kommentar

  • Antwort gretel 8. Februar 2014 at 12:04

    Herzlichen Glückwunsch zu den guten Zeugnissen.
    Wir müssen ja noch eine Woche, haben dann aber gleich 2 Wochen Winterferien :-)
    Das Zeugnis von meinem großen Kind wird – wie immer – nicht ganz so toll ausfallen, aber das war hier nie ein Thema. Wir freuen uns besonders über die guten Noten und ermuntern, die schlechteren vielleicht noch zu verbessern. Nicht ist schlimmer, als ein Kind, das Angst vor seinen Eltern hat. Lg

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