Einfach mal raus…

17. Juli 2016
Einfach mal raus. Titelbild

Ein schöner Zufall wollte es, dass ich plötzlich sechs ganze Tage FREI hatte! Unsere Tochter weilt mit der Kirchengruppe in Frankreich und mein Mann rief spontan eine „Papa-Sohn-Woche“ aus. Ich finde eine Papa-Sohn-Woche ganz wunderbar! Das wollten die zwei doch immer schon mal machen. Nun ist unser Sohn fünfzehn Jahre alt und hat somit ein Alter erreicht, in dem Urlaube mit den Eltern nicht mehr selbstverständlich sind. Also war ich urplötzlich in der Situation, frei zu sein wie ein Vogel. 

Was tun in der freien Zeit? Zu Hause zu bleiben war für mich keine Option, obwohl es dort ja auch schön ist. Ich wollte einfach mal raus… Möchte ich Menschen besuchen, die ich aufgrund der sonst so weiten Entfernung viel zu selten sehe? Möglicherweise sollte ich eine Tour durch Deutschland machen und einige Freunde zwischen Kiel und München besuchen, so meine erste Idee.

Doch dann überfiel mich das Gefühl, mal tatsächlich ganz allein für mich zu sein. OHNE IRGENDWEN! 

 

Also beschloss ich, mir mein gerade angefangenes Buch zu schnappen, mein Lieblingsköfferchen zu packen und loszufahren – an die Nordsee.

Wir haben seit genau zehn Jahren ein wunderschönes Haus auf Borkum, das wir mit unseren damals noch kleinen Kindern sehr häufig genutzt haben. Alle Ferien und verlängerten Feiertage haben wir dort verbracht. Es wurde schnell zu einer zweiten Heimat für uns und unsere Kinder. Unsere Tochter fragte mal als Dreijährige: „Wann fahren wir mal wieder in unser schönes Zuhause?“. Diese Benennung des eigenen Domizils auf der Familieninsel Borkum hatte sich fortan tief eingeprägt. Borkum war immer unser Anlaufpunkt, der ohne Buchung machbar war. Doch je älter die Kinder wurden, desto häufiger haben wir uns auch in anderen Teilen Europas herumgetrieben, um mal etwas Anderes zu sehen und den Kindern die Welt zu zeigen.

Einige Male wuchs in mir der Wunsch, einmal eine ganze Woche völlig allein auf der Insel zu verbringen. Meine Familie bestärkte mich zwar darin und hätte mich unterstützt, doch es kam trotzdem nie dazu. Irgendetwas kam dazwischen oder ich hatte den Kopf dafür nicht frei, wollte Termine nicht verstreichen lassen etc..

Irgendeinen Grund gibt es doch immer für uns Mütter, nicht nur an uns zu denken! 

Doch jetzt stand ich ja tatsächlich erstmalig vor der Situation, dass die Kinder und der Ehemann anderweitig unterwegs waren und ich somit kein Gegenargument mehr hatte, es nicht zu tun.

Schon die Anreise war beflügelnd: Kleine Staus lächelte ich einfach weg, die Musik konnte nicht laut genug aufgedreht werden und selbstverständlich sang ich erst das komplette WDR2-, dann das Hitradio-Antenne-Repertoire mit. Das ist Pflichtprogramm für allein reisende Mütter! Gut gelaunt und völlig entspannt fuhr ich mit dem Katamaran von Emden aus auf unsere geliebte Insel, schloss die Wohnung auf und fühlte mich bombastisch!

Was soll ich nun zuerst tun?

Lebensmittel einkaufen? NÖ! Wofür denn? Ich bin doch alleine hier und trage keine Verantwortung dafür, dass hier niemand verhungert und verdurstet. Wie befreiend! Also schob ich bloß das Köfferchen ins Schlafzimmer und ließ es entgegen meiner Natur unausgepackt dort stehen, schob meine Sonnenbrille ins Haar und trabte los Richtung Nordstrand. Ich nahm jede Bewegung meiner bis gerade eben noch gut frisierten Haare wahr, atmete die salzige Hochseeluft ein und riss mich zusammen, nicht wie ein Kleinkind zu hüpfen. HAHA, vielleicht hätte ich es getan, wenn mich nicht so viele Menschen auf der Insel kennen würden ;-).

Doch mein Herz hüpfte – und allein dieses Gefühl so bewusst wahrzunehmen tat unglaublich gut. Ich setzte mich in die hinterste Ecke unseres Lieblings-Strandcafés und genoss den wundervollen Ausblick aufs Meer. Dass mir dabei die Sonne Arme und Gesicht verbrannte, spürte ich gar nicht.

 

Beste Grüße aus der ersten Reihe ☀️bestplacetobe @riasbeach #geniessen #chillouttime #einfachmalgutgehenlassen 

Ein von Blog EinfachStephie (@einfachstephie) gepostetes Foto am

 

Ich sinnierte vor mich hin, was ich in den kommenden Tagen mit meiner Freiheit anfangen wollte:

  • viel Sport treiben
  • gesund ernähren
  • nur essen, wenn mir mein Körper Hunger meldet
  • in den Tag hinein leben, ohne Verabredungen und Termine
  • viel lesen und ausruhen
  • keine weiteren Regeln

Der erste Morgen ging schon gesund los, indem ich meine Walkingstöcke aus der Kammer holte und loslief. Auf dem Rückweg nach etwa fünf Kilometern kehrte ich im Supermarkt ein und kaufte eine Packung Bircher Müsli, Sojamilch, Blaubeeren, Nektarinen und eine Zeitung. Das war’s! Mineralwasser war noch genug da, also brauchte ich doch gar nicht mehr.

Nach einem wundervollen Frühstück auf der Terrasse sattelte ich direkt meine „Rosie“, mein geblümtes Borkum-Fahrrad, und radelte ziellos über die Insel. Das Wetter war herrlich, so dass ich (diesmal eingecremt) die Sonne genoss. Mein Buch immer dabei, setzte ich mich an die schönsten Plätze, um entspannt zu lesen. Ich aß, was und wann ich wollte und schwebte quasi durch den Tag. Mir fiel auf, dass mein Hungergefühl ein ganz anderes ist, wenn ich allein bin. Mir reichte eine kleine Linsensuppe zum Mittagessen und etwas Salat am Abend. Ich ließ mir alles mit Genuss im Restaurant servieren und unsere Küche blieb unbenutzt. 

Am folgenden Tag kam ich auf die Idee, euch einfach mal mitzunehmen über die Insel. Euch Orte zu zeigen, die ich liebe und euch teilhaben zu lassen an meiner familienfreien Zeit. Ich kramte den Selfie-Stick aus und filmte hier und da, veröffentlichte alles ganz ungefiltert per iPhone auf Instagram.

Ihr ward also live dabei, was mir riesigen Spaß gemacht hat:

Per Klick auf dieses Video könnt ihr diesen Film auch jetzt noch anschauen. Alle weiteren Videos findet ihr bei einfachstephie auf Instagram. Viel Spaß dabei!

 

Unterwegs mit Rosie. Kommt mit! 

Ein von Blog EinfachStephie (@einfachstephie) gepostetes Video am

 

Außerdem ward ihr bildlich beim Shopping dabei, bis schließlich zur Rückfahrt nach Emden. 

 

 

„Noch eine weitere Social Media Plattform, um dabei zu sein?“, höre ich euch stöhnen. Ja, so dachte ich damals auch, doch inzwischen macht es mir dort viel mehr Spaß zu agieren als auf Facebook. Schaut mal rein, es ist tatsächlich absolut selbst erklärend und ihr müsst weitaus weniger Daten freigeben als bei anderen Portalen. Irgendwie fühle ich mich inzwischen bei Insta fast schon mehr zu Hause. Möglicherweise werde ich dort auch bei kommenden Urlauben live berichten.

Fazit meiner Woche ohne Familienanhang

Ich habe große Strecken zu Fuß oder mit dem Fahrrad zurück gelegt, was mir richtig gut tat. So viel Bewegung habe ich zu Hause leider nicht. Bei uns ist Vieles nur mit dem Auto erreichbar, daher muss ich mich immer wieder zum Sport motivieren, um keinen Bewegungsmangel zu erleiden. Außerdem ist es nicht zu unterschätzen, dass ich viel mehr an der frischen Luft war als während des Alltags zu Hause. 

Mal eine Woche lang keine Verantwortung für andere Menschen zu tragen, sondern nur für sich selbst, ist eine ganz neue Erfahrung. Ich dachte immer, ich sei gar nicht so fremdbestimmt, wie viele Mütter das empfinden. Meine Kinder sind sehr selbständig und verlangen mir nicht viel ab. In der Schule läuft es gut und die Nachmittagsprogramme sind überschaubar. Doch als ich ganz allein war, spürte ich doch, wie eine „Last“ von mir abfiel. Ich machte mir keinerlei Gedanken darum, was die anderen wohl am liebsten unternehmen möchten, was sie wann essen wollen und ob sich alle wohlfühlen. Ich musste nur an mich selbst denken und konnte tatsächlich in mich hineinhorchen, meinen Körper deutlich spüren.

Im Alltag bin ich ein gut durchstrukturierter Mensch. Tatsächlich musste ich an den ersten beiden Tagen lernen, mir nichts vorzunehmen und spontane Entscheidungen zu treffen. Es war schön, dass in den ersten Tagen keine Freunde auf der Insel waren, diese kamen erst zum Ende meiner Urlaubszeit. Natürlich macht es immer Spaß, sich mit Freunden zu treffen, doch das erfordert eine Verabredung. Auch wenn es im Urlaub eher lose Verabredungen sind wie „Wir melden uns nach dem Essen, dann können wir uns noch auf einen Drink treffen.“ ist es ja doch ein Termin. Das hatte ich diesmal nicht und es war sehr befreiend. Als ich dann zwei Tage vor Abreise die ersten Bekannten traf, freute ich mich auf eine gemeinsame Zeit im Strandcafé, bei herrlichen Cocktails im Sonnenuntergang. Wir hatten viel Spaß in großer Runde.

Ich habe zu keiner Zeit ein Gefühl der Einsamkeit verspürt, was mich eine Freundin per WhatsApp fragte. Hätte ja aber passieren können. Das war schließlich nicht meine erste Reise ohne Familie, doch das erste Mal, dass ich GANZ ALLEIN war. Diese Zeit habe ich in vollen Zügen genossen und bin sicher, dass ich dies mindestens einmal im Jahr wieder tun werde. 

In diesem Sinne: Macht euch mal ganz allein auf den Weg – einfach mal raus!

Eure

stephie-unterschrift-1

 

 

Wer gern mal nach Borkum reisen möchte, kann hier meinen ausführlichen Bericht darüber lesen, was man als Familie auf der Insel unternehmen kann. 

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3 Kommentare

  • Antwort Yvonne 20. Juli 2016 at 12:11

    Hallo Stephie, ich bin auch so ein Insel Fan aber von Dänemark . Genau genommen Fanø und Rømø fasziniert.
    Wunderbar !❤️

  • Antwort Kerstin 18. Juli 2016 at 23:06

    Liebe Stephie, ein wundervoller Bericht und ich war fast immer LIVE dabei. Ich hatte viel Spaß, Deine Reise und Deine kleinen Filmchen zu verfolgen. Ich bin mittlerweile auch ein richtiger Insta-Fan geworden und experimentiere auch ganz gern mal mit Videos. Ich habe mir fest vorgenommen, wenn meine Jungs mal ein bisschen größer sind, gönn ich mir auch mal ein paar Tage nur für mich. Denn, wenn ich mich recht erinnere, habe ich das in meinem Leben noch nie gemacht. Also wird es allerhöchste Zeit;-) Liebe Grüße Kerstin

  • Antwort Simone 18. Juli 2016 at 9:20

    Wunderbar! ♡

  • Ich freue mich über Deinen Kommentar