Pokémon Go Elternwissen

20. Juli 2016
Pokemon Go Elternwissen. Titelbild

Wozu gebe ich euch heute Tipps zu Pokémon Go Elternwissen? Als das neue Pokémon Go in die deutschen App-Stores kam, weilte ich auf Borkum, wie ihr wisst. Mein Sohn war mit meinem Mann auf Papa-Sohn-Tour. Meine Alarmglocken schrillten, als ich von dem neuen Handyspiel hörte, bei dem plötzlich ganz Deutschland draußen mit dem Handy herumrennt: Pokémon Go! Da muss man schließlich auch seinen Standort freigeben – und das gefällt mir grundsätzlich nicht. Also warnte ich meinen Mann vor, er solle mit unserem Sohn noch einmal über Sicherheiten bei der Handynutzung sprechen.

Ich las in den Medien alles über Pokémon Go, was mir in die Finger kam. Um genau zu wissen, was so faszinierend an dem Spiel ist, melde ich mich schließlich selbst an. Denn wir wissen: Verbote bringen uns in der Erziehung nicht weiter. Wir müssen verstehen, was die Kids wollen und was ihr Leben ausmacht. Ihre Welt ist nunmal digital. Also fummele ich mich in das Thema hinein und schaffe eine gemeinsame Ebene mit meinen Kindern. Stolz macht es die Kinder zudem noch, wenn sie uns helfen dürfen, die Dinge zu kapieren.

 

Pokémon Go Elternwissen

Um zu erfahren, wie dieses Spiel überhaupt funktioniert, lade ich also Pokémon Go aus dem App-Store auf mein Handy. Ich stelle dabei erst erst einmal fest, dass es zwischenzeitlich schon allerhand zusätzliche Apps gibt: Apps, um Ziele zu finden, Navigation und Spiel-Erleichterungen. 

 

Pokemon Go Elternwissen. Titelbild 

Welche Daten gebe ich preis?

Ich muss vor dem Laden der App folgendes eingeben: Mein Geburtsdatum, bei dem ich möglicherweise mogeln könnte. Musik begleitet meine Eingaben.

Doch dann ist eine Anmeldung über mein Google-Konto notwendig. Das dauert ein wenig und als mir die Musik gerade auf die Nerven gehen will, erscheint plötzlich das Pokémon Go Logo in meinen Apps. Beim Öffnen der App muss ich alles noch einmal eingeben und wieder ertönt dieses nervige Gedudel. Ich werde darauf hingewiesen, dass Kinder unter 13 Jahren nur mit Genehmigung der Eltern Pokémon Go spielen dürfen. Aha! Sicherlich können schlaue Kinder das umgehen.

Grundsätzlich ist zu beachten, dass wir bei der Nutzung vieler Apps alle Daten unseres Handys freigeben, so auch die Fotos und Notizen, von Kontaktdaten ganz zu schweigen. So ist es auch bei diesem Spiel. Allerdings: Wer sein Google-Konto über das Handy bedient… Ich tue es auch, daher ist die Vollendung des Satzes unnötig. Wir alle wissen, wie lesbar wir inzwischen sind. 

 

Wie funktioniert Pokémon Go? 

Nun aber darf ich den Look meines Avatars selbst gestalten. Reiner Zufall, dass meine Kleidung schwarz-gelb ausfällt ;-). So groß ist die Auswahl im Standard-Modus nicht. Nun werde ich aufgefordert, probeweise den ersten Pokémon zu fangen. „Äh… Wie denn?“ Tippend und wischend stelle ich fest, was geht und was eben nicht klappt. Mein Sohn hilft lachend und zeigt mir, wie ich mich umdrehen, gehen und mit kurzem Antippen des Pokémons denselben einfangen kann. Ich muss die Kamera freigeben, damit ich meinen Garten als Hintergrund sehe und das Pokémon finde. Das Spiel stürzt ab und ich muss kurz neu starten. Dann verlangt das Spiel einen Nutzernamen, der so fantasievoll sein soll, dass mich niemand erkennt. Spätestens jetzt muss ich meinen Ortungsdienst einschalten, um spielen zu können. Soweit die Freigabe meiner Daten. Tat bisher gar nicht weh, denn all das und noch mehr gebe ich auch für andere Portal-Nutzungen frei. Allerdings kann mich nun jeder nicht nur leibhaftig, sondern auch digital sehen, während ich spielend durch unseren Wald schreite. 

Mein erstes Pokémon fange ich also im eigenen Garten, und zwar mit dem für das Spiel unerlässlichen roten Ball. 

 

So sieht die Anmeldung im Einzelnen aus:

Pokemon Go Elternwissen. Grafik

 

Jeder Spieler sieht den Radius, in dem er sich bewegt. Das Tagebuch gibt Aufschluss darüber, was der Spieler an dem Tag geschafft hat. Es gibt Arenen, in denen gekämpft wird. Pokestops sind Fundstellen für  weitere Bälle oder Pokémon-Eier, die ausgebrütet werden sollen. Leider sind diese Belohnungs-Stops nicht immer sensibel ausgewählt. Da müssen die Spiel-Entwickler noch einmal nachjustieren. Es gibt eben gewisse Denkmäler und vor allem Mahnmale, an denen ein Spiel nichts zu suchen hat. Das ist neben dem Datenfishing mein Haupt-Kritikpunkt an diesem Spiel.

Ansonsten gilt, dass Monumente diesen Pokestops dienen und mehr Beachtung bei den Jugendichen finden als das sonst der Fall ist. In Großstädten sehen wir viele Plätze, die komplett von Jugendlichen belegt sind, die mit geneigtem Kopf auf ihr Handy starren. 

Ziel des Spiel ist es, die meisten Pokémons zu fangen und möglichst viele Arenen zu besetzen. Soweit die Erklärung meines Sohnes in Kurzfassung als Pokémon Go Elternwissen. 

Bei Problemen mit dem Spiel kann dieser Artikel von Computerbild weiterhelfen. Damit können wir mit unserem Pokémon Go Elternwissen nun auch noch angeben.

 

Pokémon Go bringt Bewegung in den Tag

Was ich unterschätzt habe bei meiner Anfangs-Skepsis: Das Spiel lässt die Jugendlichen tatsächlich beweglicher werden. Wer bisher die meiste Freizeit des Tages im Zimmer verbrachte, um Minecraft zu spielen, der ist jetzt viel öfter draußen unterwegs. Unser Sohn legt inzwischen etwa zehn Kilometer am Tag zu Fuß zurück! Was nämlich nicht funktioniert bei Pokémon Go: Radfahren (was ja auch in Ordnung wäre) oder per Auto / Bus die Pokémons zu fangen.  Eine Mutter erzählte mir, dass sie vor ein paar Tagen mit den Kindern draußen war, um mit ihnen Pokémons zu fangen. Am Abend zeigte ihr Fitness-Tracker 33.000 gelaufene Schritte! Wow!

Unser Sohn fährt plötzlich wieder gern mit in die Stadt, wenn ich dort einkaufen muss. Das gab es schon lange nicht mehr, war ja zu langweilig. Nachdem er beim Metzger in der Wursttheke ein Pokémon fangen konnte, entdeckte er draußen ein Monument. Das steht schon Jahrzehnte dort, er hat es nur nie wirklich wahrgenommen. Nun wurde er im Spiel darauf hingewiesen und betrachtete das Kunstwerk erstmalig genauer. Das werte ich als Pluspunkt! Unsere Kinder lernen also auch noch etwas dabei.

 

Pokemon Go Elternwissen. Hundespaziergang

Außerdem berichten mir Eltern davon, dass das Ausführen ihrer Hunde nun keine Diskussionen mehr gibt. Die Kinder gehen freiwillig und sogar gern spazieren! Die einzige Hürde: Sie benötigen dringend eine Powerbank zum Nachladen des Handys, denn das Spiel frisst unsagbar viel Akkuleistung. Wer seinen Kindern eine große Freude machen möchte, kauft ihnen spätestens jetzt eine Powerbank!

Auf Facebook las ich dazu:

Während wir in der 90er Jahren Eltern rufen hörten: „Schalte jetzt bitte Pokémon aus und geh mal raus!“, so hören wir derzeit eher: „Schalte mal bitte Pokémon ab und komm rein!“. 

 

 Ist Pokémon Go gefährlich für unsere Kinder?

Mein Sohn sagte mir dazu: „Mama, ich bin doch nicht so blöd und überquere blind eine Straße! Ich bin alt genug!“ Damit hat er zweifelsfrei Recht. Straßen, Wege, Bahnübergänge und Gewässer werden auf dem Handydisplay angezeigt. Immer wieder lesen wir während des Spielens Hinweise, dass wir bitte auf den Straßenverkehr achten sollen. Vor genereller Unvorsichtigkeit allerdings schont das Spiel sicher nicht. Es muss gewisse Regeln geben im Umgang mit dem Handy und diese gelten nicht erst, seitdem es dieses Spiel gibt!

Das selbständige Denken wird unseren Kindern nämlich (zum Glück) nicht abgenommen. So kommt es vor, dass sich offenbar manche Spieler in Städten verirrt haben oder sie dort hingelangen, wo sie nichts zu suchen haben (Krankenstationen, fremde Gärten etc.). Wir klettern nicht über Zäune, begehen keinen Hausfriedensbruch und stören andere Menschen nicht! Soweit sollte doch die Erziehung reichen, was laut Berichterstattung leider nicht immer der Fall zu sein scheint. Traurig, aber kein Problem, das durch das Spiel verursacht wird. 

Genauso sollte abgesprochen sein, wie mit zahlungspflichtigen Zusatzmodulen umzugehen ist. 

 

Pokemon Go Elternwissen. Hinweisschild

 

Pokémon Go kann Gemeinsamkeit fördern

Es macht den Kindern viel Spaß, gemeinsam mit anderen die Pokémons zu fangen. Manche Eltern jagen sogar zusammen mit ihren Kids und haben dabei einen tollen Tag. Unser Sohn verabredet sich täglich mit seinen Freunden und geht mit ihnen viele Kilometer am Stadtrand entlang. Zwischendurch wird mal ein Eis gegessen und am Abend kommen alle glücklich und zufrieden nach Hause. Die Gefahren, die entstehen, wenn die Kinder allein durch den Wald laufen, müsst ihr selbst je nach Altersstufe einschätzen. Ich finde es jedenfalls klasse, wenn mein Sohn ruft: „Mama, bin mal kurz draußen!“ und ich weiß, er hat am nahe gelegenen See einen Pokémon entdeckt. Nach der erfolgreichen Jagd zeigt er mir seine Beute und das bringt uns ins Gespräch. 

Denn auch das ist sehr wichtig bei der Erziehung von Jugendlichen: Immer im Gespräch bleiben! 

 

Mein Fazit zu Pokémon Go

Als Fazit denke ich, dass wir unseren Kindern vertrauen müssen. Wenn sie über 13 Jahre alt sind und sich nicht zum ersten Mal allein in der Stadt aufhalten, dürften die Gefahren dort nicht höher sein als ohne das Pokémon Go Spiel. Die Kinder sollten aufgeklärt sein über ihre Sicherheit und das, was sie im Internet preisgeben dürfen. Sie geben hier keinesfalls öffentlich ihren realen Namen, Adresse oder Telefonnummer an, so dass andere Spieler dies sehen könnten. Soweit halte ich das Spiel für recht sicher. Ob nun jemand den Google-Account hackt, ist eine andere Sache, die aber nichts mit dem Spiel an sich zu tun hat.

Unser Sohn weiß auch, wie er sich zu verhalten hat, falls ihm jemand das Handy stehlen möchte. Da er äußerst selten allein unterwegs ist, sehe ich diese Gefahr aber nicht allzu sehr lauern. Obacht ist immer und überall geboten!

Lieber ist mir natürlich immer noch, wenn die Kinder den größten Teil ihrer Freizeit ohne Smartphone und Computer verbringen. Sport, Freunde und Familie sollten nach wie vor die größere Rolle spielen. Doch ist meine anfängliche Skepsis soweit beruhigt und ich bin sicher, dass die Euphorie für dieses Spiel nicht ewig hält. Ich hoffe, ich konnte euch mit meinem kleinen Pokémon Go Elternwissen einen Einblick geben in das neue Spiel.

Wie habt ihr entschieden: Dürfen eure Kinder Pokémon Go spielen oder spielt ihr gar selbst? Schreibt mir dazu in die Kommentare, ich bin gespannt, wie ihr darüber denkt.

Alles Liebe, eure

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1 Kommentar

  • Antwort Herman 16. Oktober 2016 at 23:53

    Hallo,
    man kann wirklich zustimmen, dass dieses Spiel unsere Kinder auf die Straße brachte. Es löste sie von den Computern und Fernsehern ab, und sie laufen jetzt auf der Suche nach verschiedenen Pokémon. Aber es gibt auch Nachteile. Die Kinder wollen jetzt nicht lernen. Sie haben keine Zeit. Und noch. Sie laufen so weit, dass ich manchmal nicht antworten kann, wo jetzt meine Tochter ist. Um genau dies zu wissen, musste ich auch eine App installieren hier http://besthandyspy.com/pokemon-go-gefahren die mir hilft, den Ort meines Kindes zu bestimmen. Es macht mir sorgen.

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