Episoden einer Flugreise

30. Mai 2013


Wir kamen – wie immer – auf den allerletzen Drücker am Düsseldorfer Flughafen an, um für ein paar Tage nach Mallorca zu fliegen. War aber gar nicht dramatisch, denn es wird einem ja quasi alles abgenommen, was früher eher lästig war: es gibt einen Carservice, der unser Auto direkt vor der Abflughalle entgegen nimmt und hoffentlich nach Ankunft in selbem Zustand wieder direkt vor die Ankunfthalle stellt. Cool!
Die Bordkarten haben wir schon zu Hause online ausgedruckt und ersparen uns so die lange Schlange am Check-in. 

Mit dickem Handgepäck trolleyen wir also durch die chicen Flughafenarcaden. Schade, dass das Köfferchen schon übervoll ist (und sicher schwerer als die gebotenen 8kg) – so müssen die tollen – auch noch reduzierten – Klamotten leider hängen bleiben. Ob wir auf dem Rückweg nochmal hier vorbeikommen? Das Shoppingherz ist ein bissl getrübt, aber es geht ja auch gleich in den Urlaub und in Palma kann man ja shoppen, da wird mir jetzt schon der Mund wässrig.. Mein Mann huscht noch schnell in die Apotheke, er hat seine Allergiemittelchen vergessen. Kofferpacken erfordert bei ihm keine Liste oder Zeit – 10 min vor Abfahrt zum Flughafen: Schrank auf -zackzack Klamotten raus – in den Koffer damit, Zahnbürste – fertig! Da kann man ja mal was vergessen.. 

Nun müssen wir auf dem Weg zum Gate durch die Handgepäck- und Körperkontrollen. Dort meinen die perfekt gestylten Leute mit den Koffern mit „R“, sie hätten Vorfahrt – wie die eingebaute Mercedesvorfahrt ist wohl auch diese zu sehen. Wir sind ebenso Besitzer dieser Marken, doch fallen wir durch die Schmuddelregenjacken und normales Benehmen nicht besonders auf.. Chaos verbreiten wir dennoch, indem aus jedem  unserer übervoll gepackten Koffer der Plastikbeutel mit den Kosmetikutensilien herausgekramt werden muss. Puh, ist das eng gepackt – hoffentlich geht der Koffer gleich wieder zu! Da wir ja nur Handgepäck haben, tragen wir die schon erwähnten Regenjacken, die wir nun auch ausziehen müssen sowie Gürtel und Schals. Immer das gleiche nervige Spielchen. Naja, ist ja auch für etwas gut!

Am Gate  kämpfen die Fluggäste um die unbequemen Stühle, um SOFORT beim
allerersten Aufruf aufzuspringen aus Angst, sie kämen nicht mit! Stöhnende Bemerkungen fallen später auf der Gangway – jeder möchte, dass es endlich losgeht in die Sonne, raus aus dem verregneten Deutschland.

Den Hauptpreis gezogen hat man, wenn hinter dir eine junge Mutter mit Kleinkind auf dem Schoß sitzt, die selbst noch nie geflogen ist. Sie ist unsicher, wie sie mit ihrem Kind umgehen soll – das überträgt sich aufs Kind und was passiert? Jawoll! Das Kind plärrt den ganzen Flug über. Mama holt unzählige Gummibärchentütchen hervor, deren Inhalt der Kleine nach einer halben Stunde bereits restlos verputzt hat. Also: Sirene wieder auf LAUT! Meine Kinder sitzen neben mir, gucken sich verwundert  um und setzen ihre Kopfhörer auf. Suuuper Taktik – ich habe In-Ears, die fast alle Nebengeräusche killen. Das hilft, allerdings lässt der Kleine hinter mir alle 2 sek den Tisch runterknallen, was jedes Mal an meinem Sitz rappelt. Mama klappt immer wieder den Tisch hoch, der Kleine dreht wieder am Verschluss und – krawumm – ist das Ding wieder unten.
Fühlt sich an wie Abenteuerurlaub…

Neben mir – quer über den Gang blickend – bewegt sich was. Fluggäste-Neusortierung! Der nette Mann neben mir wird gebeten, den Platz zu tauschen, obwohl er extra für die Platzreservierung bezahlt hat. Er ist begeistert.. Alle sind gespannt, wer jetzt kommt: ein körperlich und geistig eingeschränkter junger Mann , vermutlich Anfang 20. Seine Begleiterin ist ebenso alt und empfängt in freudig. Ich bin aufgewachsen in einer Gegend mit großer Klinik, in der Behinderte aufgenommen, betreut und gefördert werden – somit ist mir der Anblick nicht fremd. Viele andere Fluggäste wenden sich schnell ab und versuchen dringend, nicht mehr hinzuschauen. Ich schaue genauer hin, weil der Mann total cool ausschaut. Er grinst mich an und zwinkert, wendet sich dann aber sofort seiner hübschen Begleiterin zu. Er trägt coole Sneakers, senfgelbe Chino mit passendem Hoodie und einem bunt karierten James-Blunt-Hut. Obercool! Der junge Mann ist so fröhlich und redet ohne Unterlass, er quasselt quasi den kleinen Nervi hinter mir weg…



Meine Kinder? Hören weiter ein Hörspiel nach dem anderen, meine Tochter bastelt derweil mehrere Servietten-Rosen für mich. Ich beginne, diesen Post zu schreiben – ganz klassisch mit Zettel (Boardkartenrückseiten sind hervorragend geeignet) und Stift. Oh, es gibt Essen: Currywurst und Tortellini. Meine Challenger-Freunde fragen sich, was ich wohl gegessen habe – nichts bestellt und doch letztlich die restlichen Tortellini gefuttert :-(  Im Geiste aber sehe ich nur den Tomatensaft, den ich selbst bestellt hatte und eigentlich zählt ja doch nur, dass ich der Currywurst widerstanden habe. Oder?

Belohnt werden wir nun im Landeanflug mit einem herrlichen Blick über Mallorca und den Sonnenuntergang. Ich freue mich schon auf den speziellen Mallorcaduft, wenn ich aus der Ankunfthalle ins Freie trete. Hach, was ist das schön!! 4 Tage raus aus dem Alltag, dem Regen und hinein ins sonnige Leben!

Ich bin jetzt im Off und sende euch einen letzten Blick vom Frühstückstisch:



Mit malloquinischen Grüßen,

eure Stephie


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