Erinnerungen bewahren – Rückkehr in die Kindheit?

29. April 2013

Heute widme ich mich einem traurigen, aber zugleich auch mutmachenden Thema:

Dem Verlust geliebter Menschen und das Bewahren ihrer Andenken. 

Meine Großeltern waren die Besten und Liebsten, die man sich vorstellen kann. Mit 2 Töchtern, die ihnen 7 Enkel und die wiederum 5 Urenkel schenkten, hatten sie eine große Familie, um die sie sich jederzeit und gern gekümmert haben. Die Familie war immer die Nummer 1!
Mein Opa schon sammelte alles, was er im Krieg retten konnte, um sich das Andenken an seine im Krieg gefallenen Brüder und seine Eltern sowie Großeltern zu bewahren. Das Haus meiner Großeltern ist eine wahre Schatzkammer an Dingen, die großen Erinnerungswert tragen. Hier schlummern Dinge, die teilweise über 100 Jahre alt sind. Als Kind schon liebte ich diese Sachen und deren Geschichten dazu.

Nun leben inzwischen leider auch meine Großeltern nicht mehr und es fällt der gesamten Familie immer noch schwer loszulassen. Im Zuge der Räumung des Hauses, das fast einem Heimatmuseum gleicht, beginnt nun das Verteilen der Möbel und Erinnerungsstücke. Der Gang durch das Haus, in dem man einen bedeutenden Teil seiner Kindheit erlebt hat, ist wie eine Rückkehr in diese Zeit. Traurig, dass diese Zeit vorüber ist, dass diese lieben Menschen nicht mehr bei uns sind, aber auch tröstend, Dinge als Andenken mit in das neue Leben nehmen zu können.
Nun hat ja nicht jeder eine Wohnung / ein Haus, das geradezu immer schon auf die schweren Antikmöbel gewartet hat. Heutzutage ist man eher mit schnörkellosen Lackmöbeln ausgestattet – kaum einer von uns hat ein Landhaus o.ä., in das diese Möbel wunderbar eingefügt werden könnten. Natürlich lieben wir diese alten Möbel – aber im eigenen Haus?
Vor einiger Zeit schon habe ich mich für das 100 Jahre alte Familienklavier entschieden und aktuell heute zog ein kleines, antikes Schränkchen bei uns ein, das meiner Meinung nach trotzdem in unser hochmodern eingerichtetes Haus passt. Die Fransentroddeln am Schrank werden demnächst durch neuere ausgetauscht. Erst kommt es einem komisch vor, plötzlich ein solch antikes Stück in dem „sterilen“ Haus zu haben, aber schon nach einer Woche konnte ich mir das Klavier gar nicht mehr wegdenken. Dies hat unsere Kinder sogar dazu verleitet, Klavierunterricht nehmen zu wollen (ja, freiwillig!). Welch eine Freude wäre das für meine musikalische Oma gewesen, hätte sie noch miterleben dürfen, dass ihr ältester Enkel an Weihnachten auf ihrem Erbstück ihr Lieblingslied „Ihr Kinderlein kommet“ spielt.

Die Kombination von alten und neuen Einrichtungsgegenständen ist ja schon einige Jahre hip, aber bisher dachte ich immer, das sähe nur in den Hochglanzmagazinen toll aus. Wie gefällt es euch?

       

Was aber passiert mit den Fotoalben und Erinnerungsgegenständen aus den letzten Jahrzehnten? Die kann man ja schlecht durch 10 Personen oder mehr teilen. Die Alben möchte doch sicher jeder gern haben…

Meine Idee dazu: Ich habe alle Alben hervorgeholt und scanne nach und nach die für mich wichtigen Bilder ein und sortiere diese nach Jahren – zugegeben eine wahnsinnige Arbeit. Aber es wird sich lohnen! Mit einem guten Scanner erhält man sogar überraschend gute Ergebnisse und kann daraus ein neues, individuelles Album drucken lassen (z.B. bei dm). Das ist mein neues, großes Projekt. Ehrlich gesagt ist gar nicht mal das Scannen die zeitfressende Tätigkeit, sondern eher das Durchschauen der Bilder und das Schwelgen in Erinnerungen.. Finde ich ein bestimmtes Foto, könnte ich daraus viele Geschichten erzählen, wie z.B. mein gestriger Post zum „Tag der Geschwister“ – auch jenes Foto stammt aus einem der Alben…
Nach Beendigung meiner Arbeit gebe ich die Alben an die nächsten Mit-Enkel weiter – somit hat doch jeder etwas davon! Schön finde ich auch, wenn man nochmal die für sich wichtigen Gegenstände oder gar Schriftstücke einzeln abfotografiert und in das Album an passender Stelle, z.B. als Icon einfügt. Meine Ideen hierzu sind vielfältig, denkbar ist auch eine Scrapbooking-Arbeit (allerdings habe ich mich schon für die digitale Geschichte entschieden). Es wird voraussichtlich noch laaaaange dauern, bis ich das Projekt fertig gedruckt in meinen Händen halte!

Ich denke immernoch jeden Tag an meine Großeltern, die mir unendlich viel bedeutet haben und fest in meinem Herzen wohnen. Ich bin froh, nun auch echte, anfaßbare Dinge zu haben, die diese Erinnerungen unterstützen.

Vielleicht ist das auch für euch eine Anregung oder ihr habt sogar noch mehr und bessere Ideen für mich?

Ich freue mich über eure Tipps, z.B. über die Kommentarfunktion unten.

In Erinnerungen schwelgend, 

eure Stephie

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2 Kommentare

  • Antwort Stephies BlogPost 14. April 2013 at 15:53

    Liebe Anne,
    nun gibt es inzwischen 40 Posts von mir und ich werde zunehmend gefragt, wofür ich eigentlich schreibe (ob ich nicht genug anderes zu tun hätte). Allein für solch einen schönen, gefühlvollen Kommentar wie Deinem lohnt sich der Aufwand! Ich weiß, wie sehr auch Dir meine Großeltern am Herzen lagen/liegen. Ganz lieben Dank dafür und für deine Weiterempfehlung. Lies mich bald wieder…
    Beste Grüße,
    Stephie

  • Antwort Anonymous 12. April 2013 at 18:44

    Also ehrlich stephie,
    Schön wie du schreibst!! Und es ist schön daran teilzuhaben. Ich habe mir auch damals einen alten Stuhl von der Oma in unsere, wie du so schön teffend sagst, in unsere sterile Wohnung gestellt. Er passt toll und lässt Erinnerungen weiterleben.
    Habe mich vorgesten noch mit meiner besten Freundin lange über dieses Thema unterhalten und sie auf deinen Block aufmerksam gemacht. Wir sollten öfters über die lieben Menschen sprechen, die nicht mehr da sind, und sie so mit uns weiterleben lassen. Deine Großeltern waren ganz tolle Menschen und ich werde auch meine Kindern davon erzählen.
    Danke wie du die Erinnerungen am Leben hältst!!
    Lg
    Anne

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