Gastbeitrag zum Thema Partnerschaft: „Dich und mich lieben“

19. August 2017
Herzensthema Partnerschaft -Dich und mich lieben- von Sei dir gut

Als mich Stephie vor ein paar Wochen fragte, ob ich Lust hätte, für ihr Blog einen Gastbeitrag zu schreiben, habe ich sofort begeistert zugesagt. Und da ich sehr gerne über Themen schreibe, die mein Herz berühren, habe ich gleich dieses Thema Partnerschaft auf dem Herzen gehabt: „Mich und Dich lieben.“ DAS ist nämlich im vollen Familienalltag häufig gar nicht so leicht.

Daher möchte ich euch gerne heute auf eine kleine Reise nehmen. Wir reisen von „MICH LIEBEN“ zu „DICH LIEBEN“ bis zu „DICH UND MICH LIEBEN.“

Natalias Hochzeitseinladung (2004)

Foto: Natalia Fistéra
Einladung zur Hochzeit (2004)

 

„Eine gute Ehe bedeutet: immer wieder gegenseitiges Bemühen.
Eine gute Ehe ist auch: viel Arbeit.“

 

Genauso haben das unsere Eltern bei unserer Hochzeit gesagt. Und zwar beide. Meine Eltern und meine Schwiegereltern. „Soso, viel Arbeit?!“, denkt man in diesem Moment des Glückes. „Bei uns fühlt es sich aber so leicht an!“ Seit 18 Jahren sind mein Mann und ich ein Paar.

Seit 13 Jahren sind wir verheiratet. Und wir können beide aus tiefstem Herzen sagen: „JA, unsere Eltern haben Recht behalten.“ Wir haben inzwischen drei Kinder (9, 6, 4) und sind in so manchen Sturm geraten. Auch in manche Flaute. Nicht immer hat es sich leicht angefühlt.

 

 

MICH LIEBEN

Wenn du dich und deinen Partner lieben möchtest, dann ist es absolut notwendig, dass du deine Bedürfnisse kennst. Aber genau DAS fällt uns häufig total schwer. Und das kann mehrere Ursachen haben:

Die eigenen Bedürfnisse gar nicht kennen

Die eigenen Bedürfnisse zu kennen, hat für mich viel damit zu tun, wie gut ich mich selbst kenne. Das wiederum hat viel damit zu tun, wieviel Zeit ich mit mir alleine verbringe und es ist in meinen Augen keine dumme Idee, immer wieder einen Termin mit mir selbst in den vollen Wochenkalender zu schreiben. Nur wenn ich Zeit und Ruhe habe, auf mich selbst und meine innere Stimme zu hören, werde ich meine echten, tieferen Bedürfnisse wahrnehmen. Wer zum Beispiel wie mein Mann „ein „Macher“ ist, der findet in unseren vollen Leben genügend Ablenkung und wichtige Aufgaben, um gerade nicht mit sich selbst im Kontakt zu sein.

Nicht enttäuschen wollen

Dass wir unsere Liebsten nicht enttäuschen wollen, liegt nahe. Deshalb gibt es viele Menschen, die ihre Bedürfnisse gerade aus Liebe zum Anderen nicht anmelden. DAS fiel mir über lange Zeit auch sehr schwer. Ich dachte dann immer, ich wäre vielleicht zu kompliziert. Ich wäre zu egoistisch. Ich müsste mich halt einfach mal zusammenreißen. Aber das Wort „zusammenreißen“ ist schon ein Trugschluss an sich. Man kann etwas auseinander reißen, aber nichts zusammen. Ich habe gemerkt, dass ich mich immer wieder auseinander reiße, um meinem Umfeld nicht zu enttäuschen.

Erziehung/Glaubenssätze

Jeder von uns ist in seiner Erziehung mit gewissen „Glaubenssätzen“ aufgewachsen, die von den Eltern vorgelebt und oft positiv verstärkt oder negativ sanktioniert wurden. Vielleicht kommst du aus einem Elternhaus, in dem Zuverlässigkeit ein Kernwert war. Absagen von Verabredungen, Sportveranstaltungen oder Geburtstagen war ein absolutes no-go. So wird das, was an sich ein guter Wert ist, im Extrem dazu, dass die eigenen Bedürfnisse zu unterdrückt werden. Es wird wichtiger, der Regel zu folgen, als den eigenen Bedürfnissen.

Außendarstellung: Was denken andere über mich?

Ich möchte, dass das, was ich tue, ein richtig gutes Bild nach außen abgibt. Das funktioniert auch, nur ist es extrem aufwendig und energieraubend. Solange mir die Meinung meines Chefs, meiner Kollegen, meiner Freunde, meiner Vereinskameraden, meiner Familie so wichtig sind, werde ich meine eigenen Bedürfnisse immer wieder unterpflügen beim Bemühen um ein perfektes Außenbild.

Stress/ Zeitdruck/ Kinder

Besonders in vollen und stürmischen Zeiten missachten wir häufig unsere Bedürfnisse. Egal, ob es beruflich oder im privaten voll und viel ist: die Konsequenz ist meistens, dass man die wenig bleibenden Zeitfenster dafür nutzt, noch etwas wegzuarbeiten oder endlich mal den- oder diejenige zu treffen. Besonders bei Familien mit kleinen Kindern nimmt der freie Raum- und Zeitrahmen rapide ab, um sich seiner eigenen Bedürfnisse bewusst zu werden. Egal, ob volles Familienleben oder stressiger Job: besonders in diesen Hoch-Zeiten, klammern wir unsere Bedürfnisse häufig komplett aus – aus dem Irrglauben, dass man dann das andere noch weniger schaffen würde.

Das Ernst-und Wahrnehmen der eigenen Bedürfnisse ist GAR NICHT einfach. Aber absolut zentral und wichtig für unsere Partnerschaft! Und es gibt ein ganz klares Problem: die EINZIGE Person, die dafür verantwortlich ist die eigenen Bedürfnisse zu äußern, bist du selbst. Das Leben ist eben kein Quiz und deshalb kannst du nicht erwarten, dass jemand anderes deine Gedanken liest und dann auch noch beginnt, in deinem Sinne zu handeln.

„Die eigenen Bedürfnisse zu kennen und zu Gehör zu bringen ist ein Akt der Selbstverantwortung. Diese Verantwortlichkeit entlastet das Umfeld“,

schreibt Ruth Knaup in ihrem wunderbaren Buch „Now!“ Es ist geradezu egoistisch zu meinen, dass der Partner für die Erfüllung meiner Bedürfnisse zuständig ist. Egal, WAS es ist, es ist meine Verantwortung, meinen Partner mit ins Boot zu holen und klar zu kommunizieren, was ich will und brauche. „Erst, wenn Bedürfnisse klar ausgesprochen werden, werden sie verhandelbar.“ Nur so kann ein guter Kompromiss gefunden werden.

Ich habe mir als Leitmotto „Sei dir gut“ für meinen Beruf, aber auch für mein Leben auf die Fahne geschrieben. Aber ganz ehrlich: sich gut zu sein und seine Bedürfnisse zu kennen und ihnen Raum und Zeit einzuräumen, ist ein lebenslanger Prozess. Er gelingt mal mehr und mal weniger. Da muss und sollte man behutsam und geduldig mit sich sein. Ganz sicher ist es aber unerlässlich, dass man sagt, was man braucht. Das wird nicht nur für dich eine große Hilfe sein, sondern auch ganz besonders für deinen Partner.

 

Herzensthema Partnerschaft -Dich und mich lieben- von Sei dir gut

 

DICH LIEBEN

Wie kann es sein, dass wir uns von unserem Partner nicht geliebt fühlen, OBWOHL er sein bestes gibt? Zum einen hat das wieder etwas mit dir selbst zu tun. Wenn du dich nicht liebst und annimmst, WIE sollte die Liebe deines Partners zu deinem Herzen durchdringen, dass nicht für dich schlägt? Zum anderen, hat uns ein Buch vor einigen Jahren wirklich die Augen und das Herz geöffnet, WARUM das mit dem „sich geliebt fühlen“ gar nicht so einfach ist, wie man denkt.

Vor mittlerweile fast 10 Jahren schenkten uns Freude das Buch „Die 5 Sprachen der Liebe“ des Psychologen Gary Chapman. (Kurze Anmerkung: Wenn es dir möglich ist, dann lies es auf Englisch. Wie so oft ist die deutsche Übersetzung leider echt daneben…) Seine Beobachtung aus tausenden von Einzel- und Paarberatungen war ebenso simpel wie genial: Jeder Mensch spricht eine ihm eigene „Liebessprache“, in der er anderen Liebe zeigt und in der er sich gleichzeitig am meisten geliebt fühlt. Erstaunlicherweise konnte er diese trotz tausender Individuen auf insgesamt 5 Sprachen reduzieren, die nahezu universell zutreffend scheinen:

  1. Lob und Anerkennung,
  2. Zweisamkeit,
  3. Hilfsbereitschaft,
  4. Zärtlichkeit
  5. Geschenke

Viele Menschen sprechen nicht nur eine, sondern 2 Liebessprachen und es kann gut sein, dass du neben der offensichtlichen Form noch eine zweite hast, in der du Liebe ausdrückst. Daneben scheint es ein ungeschriebenes Gesetz zu geben, dass innerhalb von Beziehungen die Liebessprachen meistens unterschiedlich sind. Das gilt sowohl in unserem Freundeskreis, als auch bei uns selbst: Während mein Mann besonders auf Zärtlichkeit und Lob und Anerkennung anspricht, fühle ich mich insbesondere durch Zweisamkeit und Hilfsbereitschaft geliebt.

Wir müssen uns darum bemühen, Fremdsprachenunterricht zu nehmen: Wenn wir unseren Partner in seiner Liebessprache ansprechen, wird er sich nochmal ganz anders geliebt fühlen. Um deine Liebessprache herauszufinden, kannst du ja mal in die reinspüren, in welchen Situationen du dich besonders geliebt fühlst. Wenn du Lob erfährst? Oder wenn du beschenkt wirst? Wenn du Zärtlichkeit oder Hilfsbereitschaft erfährst? Oder doch am meisten im Eins-zu-Eins-Kontakt?

 

Natalia und ihr Mann 12 Jahre später (2016)

Foto: Natalia Fistéra (2016)
Immer noch glücklich als Paar zusammen!

 

MICH UND DICH LIEBEN

Beim Schreiben habe ich mich gefragt, WAS hat uns geholfen und hilft uns auf unserem gemeinsamen Weg? Ganz praktisch sind das diese Punkte:

  1. Autonomie
  2. Zweisamkeit
  3. Freundschaften pflegen (alleine & gemeinsam)
  4. Zärtlichkeit/ Sex (sprecht über eure Bedürfnisse!)
  5. Gemeinsame Projekte, Werte, Interessen

Und darüber hinaus möchte ich einen Satz aus einem meiner Blogbeiträge zitieren, die ich in diesem Jahr an Valentinstag geschrieben habe:

Was es für uns beide leichter gemacht hat war und ist: wir wollten immer uns. Wir sind beste Freunde. Wir lachen und streiten. Wir loten aus. Wir stecken ab. Wir erzählen uns. Von dem, was uns bewegt. Von dem, was uns Sorge macht und von dem, was uns beglückt. Wir tauschen uns regelmäßig aus, wie wir unser Leben finden. Machen Inventur am Jahresanfang. Was wollen wir? Und wie? Und mit wem? Wir pflegen gemeinsame Freundschaften, aber auch die eigenen. Wir ermutigen uns und können uns aufeinander verlassen. Wir erleben Streit nicht mehr als Bedrohung. Sondern als Zeichen dafür, dass wir uns aneinander reiben müssen, wenn wir gemeinsam alt werden wollen. Einfach, weil es so viel Reibungsverlust gibt. Weil es das Leben einfach hergibt.

„Man kann sich auch mal unglücklich und einsam fühlen, obwohl man nebeneinander liegt. Das heißt nicht, dass die Beziehung schlecht ist, sondern dass man eine hat“, sagt der Philosoph Jan Drost.

 

Und ich finde: DA ist was dran!

Eure Natalia von Sei dir gut

 


Natalia Fistera - sei dir gut - Portraitfoto

Natalia Fistera vom Blog „Sei dir gut“

„Sei dir gut“ ist die Quintessenz meines Lebens. Wenn ich gut zu mir bin, dann kann ich gut zu anderen sein. Wenn ich mir gut bin, bin ich offen für die Geschichten die das Leben schreibt. Die ganz Großen und die ganz kleinen, feinen. Wenn du dich selbst annimmst und deine Bedürfnisse spürst und äußerst, wirst du gelassener, offener, freier, mutiger und liebevoller in der Begegnung mit deinem Partner. Mit deinen Kindern. Mit den Menschen, die dich tagtäglich umgeben. Vor allem aber: mit dir selbst. 

 

Natalia findet ihr auch bei Facebook und bei Instagram. Sie freut sich über eure Likes.

 


Hier sind noch einmal Natalias Buchtipps zum Bestellen (Amazon Affiliate Links):

 

 


 

Sommer Gestblogger 2017 bei einfach Stephie

Dieser Artikel entstand im Rahmen der Sommer-Gastblogger-Aktion bei einfach Stephie. Herzlichen Dank!

 

 

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