Hat mein Kind zu viel Freizeitstress?

18. April 2013

Fördern oder überfordern – wie schmal dieser Grat ist, bemerke ich oft am eigenen Kind.

Du kennst sicher auch diese Super-Kinder, die nicht nur vor der Einschulung schon ihren Namen schreiben können, wie alle anderen auch – sondern auch bereits komplett lesen und schreiben können. Super-Kind ist zwar noch nicht in der Schule, schreibt aber schon Super-Mamis Einkaufszettel. Rechnen? Sowieso kein Problem! Neben Reiten, Tennis, Golf und Malkurs könnte man doch noch einen Sprachkurs einlegen und weitere Talente entdecken sowie fördern – wohl gemerkt sind die oben aufgezählten Kurse alle nur für ein (noch nicht eingeschultes) knapp 6-jähriges Kind! Ja, so eine Familie kenne ich tatsächlich!

Was tun diese Super-Mamis mit ihren Kindern – fördern oder überfordern? Leider sehen sie vor lauter Talenten in ihrem Kind nicht mehr das KIND. Nämlich das, was draußen spielen sollte – am besten mit ganz vielen anderen Kindern. Es sollte sich gemeinsam mit Freunden selbst Spiele ausdenken und z.B. aus Holzstöckchen Laserschwerter oder Zauberstäbe entstehen lassen. Nur leider leider können das die Super-Kinder von heute nicht mehr – ein Stock ist dann eben ein Stock. Ist das nicht schade? Es geht bald schon so viel Zeit für Schule und Lernen drauf, auch die Kinder sind nur noch on the runund haben kaum mehr Zeit, sich zu entfalten. Gebt den Förderwahn auf! In Gemeinschaft mit anderen Kindern draußen am Bach, im Wald, im Garten etc lernen die Kinder mehr als bei all den Kursen, die angeboten werden, um den Nachmittag „sinnvoll“ zu füllen. Die Fahrt hin und zurück, der Kurs selbst, wieviel Zeit geht dabei drauf? Die Kinder sind gestresst, die Mama genervt… Muss denn das sein?

Bei älteren Kindern müssen schulische Versäumnisse natürlich schon gefördert werden. Hört mal nach, woran der Rückstand liegt – hat man gute, aufmerksame Lehrer, können die bei der Ursachensuche helfen. Vielleicht ist es tatsächlich zu viel Freizeitstress oder das Kind setzt sich schulisch unter Druck, weil es allen Anforderungen genügen möchte? 
(Über den Stress, dem unsere Kinder heute an den Schulen ausgesetzt sind, berichte ich mal ein einem anderen Post)
Also gar keine Nachmittagsaktivitäten mehr anbieten? Doch! Aber ausgesucht muss es sein. Jedes Kind hat sein Hobby – sei es Sport, Musik oder Basteln. Ich bin immer der Meinung, dass das was angefangen wird, auch durchzuziehen ist. Das sollten Kinder lernen. Inzwischen hat meine Erfahrung auch etwas anderes gezeigt: Ist das Kind zu gestresst oder es steht eine wichtige Klassenarbeit an, dann fällt das Nachmittagsprogramm auch mal aus und es wird nur entspannt. Man muss wohl die richtige Mitte finden. Nur „keine Lust“ darf aber kein Anlass sein, etwas regelmäßig Stattfindendes abzusagen. 
Sport z.B. ist wichtig für die Entwicklung und darf auch gern mal außerhalb des Gartens stattfinden – Mitglied eines Vereins zu sein ist auch etwas Schönes. Schließlich wird hier zudem gleichzeitig Sozialkompetenz, Rücksichtnahme und Teamfähigkeit trainiert. 



Aber: mute deinem Kind nicht zuviel zu – es verdummt nicht und wird nicht hinter den Super-Kindern anstehen, wenn es nur die Hälfte aller Kurse belegt. Ich selbst habe gemeinsam mit meinen Kindern eine Lieblingssportart (die kann sich auch schonmal nach ein paar Jahren ändern) und ein Instrument ausgesucht, das erlernt wird. Nicht jeder ist musisch veranlagt und man kann kein Kind wirklich erfolgreich zu einem Instrument zwingen. Unsere Kinder spielen Klavier und üben dafür mäßig fleißig. Ich habe mit dem Klavierlehrer ein Abkommen geschlossen, dass 3x pro Woche üben ausreichen muss, denn ich trieze meine Kinder nicht zu Super-Kindern! Es gibt mal Wochen, da spielen sie freiwillig öfter Klavier und wieder andere Wochen, in denen es schwer fällt die 3x einzuhalten. Ich sehe das aber locker – denn sie haben nur eine Kindheit und die wollen wir genießen!!

Sei mutig und vertraue auf den Instinkt deines Kindes. Oft sagt es nämlich ganz deutlich, wenn es ihm zu viel wird! Als Eltern kann man sicher gut einschätzen, ob es nur vorübergehendes Jammern ist oder ob dauerhaft etwas am Nachmittagsprogramm verändert werden muss. 



Ein Programmpunkt weniger in der Woche – und das Kind sitzt stattdessen im Zimmer und bastelt, liest ein Buch oder spielt draußen mit anderen Kindern (je nach Wetter). 

Das ist ein echter Gewinn!




Denkt mal drüber nach..

Alles Liebe, 
eure Stephie


Jüngst wurde eine Studie der Unicef veröffentlicht, in der die allgemeine Zufriedenheit der Kinder in Deutschland (im Vergleich zu anderen Industrieländern) gemessen und ausgewertet wurde, wer das nochmal nachlesen möchte:

Bericht zur Unicef-Studie 2013

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