So war’s beim BVB ohne Südtribüne

19. Februar 2017
So war's beim BVB ohne Südtribüne. Leere Ränge

Obwohl ich bisher nie der heiße Fußballfan war, so war doch das gestrige Spiel des BVB gegen Wolfsburg ohne Südtribüne ein ganz besonderes Erlebnis. Wie es dazu kam, erkläre ich kurz für diejenigen, die sich nur am Rande für Fußball interessieren:

Einige „Fans“ von Borussia Dortmund hatten beim letzten Heimspiel gegen den Retortenclub RB Leibzig erschütternde Schlagzeilen gemacht. Auch bei diesem Spiel war ich live dabei und ich muss sagen, dass ich die Banner und Schlachtrufe gegen den Gastverein als besonders unangenehm empfand. Diese Aktion war völlig daneben, um es auf klar Deutsch auszudrücken. Von den unverzeihlichen Übergriffen vor dem Stadion hörte ich erst am folgenden Tag aus den Medien, welches noch einmal für kräftiges Fremdschämen sorgte. 

 

So war's beim BVB ohne Südtribüne. Leere Ränge

 

Knigge für Fußballfans

Überall hörte ich von echten Fans: „Das ist nicht mein BVB!“. Alle waren sich einig, dass sich solches Benehmen nicht gehört und hart bestraft werden muss, damit es sich nicht wiederholt. Die verhängte Strafe war unter anderem, dass das kommende Spiel – eben das gestrige gegen Wolfsburg – ohne Südtribüne stattfinden sollte. 

So saßen wir also da und starrten auf die leeren Ränge, von denen sonst der pulsierende Lärm des berühmten Stadions schallt. Geisterhaft starrten die leeren Reihen zurück. Es fehlten rund 25.000 Zuschauer, die sonst gelbe Wand war grau-schwarz. 

Der Abschnitt, der sonst für die Fans der Gastmannschaft reserviert ist, erstrahlte dagegen in saftigem gelb-schwarz. Sorgenvoll schauten wir uns um, ob es wieder Schmäh-Plakate gebe, aber wir konnten erleichtert sein: Alles war friedlich! DAS ist unser BVB!

 

Infiziert vom Borussen-Fieber

Im ganzen Stadion erklang wie üblich das von Herzen kommende „Nur der BVB!“ und „Schalalalalaaaa… Borussia Dortmund…“. Da sonst die Südkurve für genug Lärm sorgt, singen die anderen Fans nicht immer so kräftig mit, doch diesmal war alles anders:

Das ganze Stadion bebte und auch wir schrien mit voller Inbrunst alle Fan-Songs mit. Was für ein Erlebnis! Nun waren wir selbst Südkurve und unterstützten unseren Verein nach Kräften. Es geht eben doch auch ohne Südtribüne, dieses Gänsehaut-Feeling zu produzieren. Und wie! 

 

 

 

 

Mehrfach hintereinander schlug eine La-Ola-Welle durch das Stadion und mit jeder Runde wurde sie größer. Da ging selbst mir als Zaungast unter den Fans der Puls durch die Decke. Herrlich! Jetzt bin ich endgültig infiziert vom Borussen-Fieber.

Den Vogel abgeschossen hatte auch folgendes Szenario: In den letzten Minuten des Spiels wechselte Wolfsburg unseren ehemaligen Spieler und Publikumsliebling „Kuba“ (Jakub Blaszczykowski) ein. Das ganze Stadion rief lauthals seinen Namen und beklatschte ihn mit Begeisterung. Es war keinerlei Häme zu spüren, wie sonst die Reaktion auf Spieler ist, die früher mal für den BVB gespielt haben und dann den Rasen für die gegnerische Mannschaft betreten.

Nach unserem verdienten Sieg gegen die Wolfsburger drehte Kuba sogar eine große Ehrenrunde für die Dortmunder Fans. Das gelb-schwarze Trikot von einem ehemaligen Kollegen in die Buxe geklemmt, lief er klatschend allein über den Rasen und rannte sich damit erneut in die Dortmunder Herzen. Wie toll ist das denn?! So muss Fußball sein! 

 

Die Dortmunder Borussia ist wie eine große Familie

Mein Mann besucht ja schon seit Jahren jedes Heimspiel. Wir haben Urlaubsreisen und Einladungen danach ausgerichtet, damit er möglichst jedes Spiel live mitverfolgen kann. Nicht immer stieß das auf Gegenliebe der Familie, wie ich ehrlich zugebe. Als er bei seiner eigenen Geburtstagsparty mit 150 Gästen etwas später kam, weil er ja vorher noch ins Stadion „musste“, war ich nicht besonders amüsiert. Aber auch als Partner eines echten BVB-Fans lernt man ja dazu. Und immerhin holte der BVB an diesem Tag die Meisterschale (30.04.2011). 

Bisher ging ich nur zum ersten und letzten Spiel von Borussia Dortmund mit ins Stadion. Es gefiel mir immer sehr gut, dort viele Bekannte und Freunde zu treffen. Beim Evonik-Stammtisch wird man schließlich auch bestens versorgt und kennt inzwischen unfassbar viele Leute. Ich fand es nett, wollte aber nicht immer dabei sein.

 

So war's beim BVB ohne Südtribüne. Stephie wird Fan

 

Doch seitdem ich nun ein paar Mal hintereinander im Dortmunder Stadion war, ist es ein wenig so, wie nach Hause zu kommen. Die Plätze im Stadion und auch in der Loge sind immer gleich verteilt. Man kennt sich eben und begrüßt sich herzlich. Es ist eine große Gemeinschaft netter Menschen, die dort regelmäßig zusammen kommt. Man lacht und leidet gemeinsam, freut sich und schimpft, nimmt die pulsierende Stimmung des Stadions in sich auf und trägt diese mit. Dieses Gemeinschaftsgefühl versteht nur, wer schon mal dabei war.

Für uns steht der Spaß im Vordergrund, der bei fairen Spielen sicher am höchsten ist. Auch gegnerischen Fans gegenüber kann man sich freundschaftlich benehmen, denn schließlich wollen wir alle doch nur eins: Eine schöne Freizeitbeschäftigung erleben, die verbindet. Unser Sohn ist seit jeher Schalke-Fan, welches uns einige scherzhaft als Versagen der Erziehung quittieren. Doch geschadet hat das dem friedlichen Familienleben noch nie. 

Ich bin sicher: Ich möchte jetzt viel öfter im Stadion dabei sein! Dieses Erlebnis, wie die Fans auch ohne die berühmte „Süd“ eine solche Stimmung zaubern können, dass sich selbst mir das Blut schwarz-gelb färbt, das möchte ich öfter spüren. Natürlich dann aber bitte wieder mit der gelben Wand, denn diese ist einfach die großartigste der Welt! 

Mit schwatz-gelben Grüßen, eure

 

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