Englisch Sprachreise: zwei Teenager erzählen von ihren Erfahrungen

22. August 2018

Zwei Teenager auf Sprachreise in verschiedenen Ländern mit derselben Organisation und mit unterschiedlichen Erfahrungen

Ich selbst war damals als Teenager mit meiner Cousine zum Englisch lernen auf Malta und es hat mir so viele Erfahrungen geschenkt, dass ich mich freute, als nun auch meine Kinder danach verlangten, eine Sprachreise anzutreten. Zunächst war es nicht so einfach, eine geeignete Sprachreise zu finden. Das Angebot ist riesig und so unterschiedlich wie die Preisgestaltung. Wir schickten unsere Kinder nach Süd-England und Malta mit unterschiedlichen Modellen und Erfahrungen.

Sprachreise pur oder mit zusätzlichem Sportangebot

Beide Kinder wollten sich in Englisch weiterbilden, obwohl auch Spanisch und Französisch in der Schule unterrichtet werden. Doch zusammen reisen wollten die Geschwister auf keinen Fall! Für welchen Anbieter wir uns entschieden haben, könnt ihr gerne per Email nachfragen, denn ich möchte diesen Artikel nicht auf eine bestimmte Organisation beschränken. 

Unsere Tochter (14) sprach mit vier Freundinnen darüber, wovon letztlich eine übrig blieb, die tatsächlich mit ihr nach Malta reisen sollte. Die beiden Mädchen buchten die Sprachreise ohne weitere Optionen, denn sie wollten ihre Freizeit lieber selbst gestalten. Weiter unten erfahrt ihr, was dennoch im Programm enthalten war und welche Freizeit-Möglichkeiten sprachreisende Teenager über die Organisation haben.

Unser Sohn (17) reiste allein zur Sprachreise nach Eastbourne (Süd-England) und buchte ein Fußballcamp zum Englischunterricht hinzu. Weitere Sportangebote standen vor Ort zur Auswahl, was ihn besonders ansprach. Allerdings sind hier Extrakosten zu erwarten (bei uns schon im Reisepreis enthalten) für das Training und die Ausstattung mit Trikot, Hose und Stutzen der Fußballschule. An fünf Tagen ging er nach der Schule für etwa eine Stunde zum Fußballtraining und hatte anschließend dennoch genug eigengenutzte Freizeit. Unser Sohn würde dieses Extra-Sportpaket auf jeden Fall weiterempfehlen.

Sprachreise mit Betreuung in einer Familie oder auf dem Campus?

Diese Frage war recht schnell zu beantworten, wenn man das Alter unserer Kinder betrachtet. Die vierzehnjährigen Mädchen wollten wir unbedingt in einer Familie untergebracht wissen. Unser Sohn wollte mit seinen siebzehn Jahren lieber auf dem Campus in einem Mehrbettzimmer wohnen. So können wir also auch hier von verschiedenen Erfahrungen der Sprachreise im Ausland berichten. 

Die Anreise wird meist vom Reiseveranstalter organisiert, kann aber auch selbst geregelt werden. Wir haben die An- und Abreise per Flug und Abholung am Reiseziel mitgebucht. So brachten wir unser Kinder zum heimischen Flughafen und halfen beim Check-in. Weiteres schafften sie wunderbar allein. Wir sind als Familie recht häufig per Flugreise unterwegs und unsere Kinder kennen sich entsprechend gut damit aus. Aber auch beim ersten Flug gibt es zahlreiche helfende Mitarbeiter am Flughafen, die für die Kinder unterstützend da sind, um sich gut zu orientieren. Am Zielflughafen wurden die Kinder jeweils abgeholt und zur Unterkunft gebracht.

Wohnen in einer Familie

Erschrocken war ich zugegebener Maßen, als ich die Buchungsbestätigung unserer Tochter in den Händen hielt und den Namen der „Familie“ auf Malta las: Es war nämlich ein alleinstehender Mann älteren Semesters, der die Mädchen aufnehmen wollte. Mir als Mutter wurde komisch zumute und ich rief umgehend die Organisation an. Diese versicherte mir, dass dieser Mann persönlich bekannt sei und schon seit vielen Jahren Sprachschüler aller Nationen bei sich aufnimmt, mit durchweg besten Bewertungen. 

Außerdem erfuhr ich, dass die allermeisten „Familien“ alleinstehende Senioren oder Paare sind, deren Kinder derweil aus dem Haus sind. Diese bessern mit Sprachschülern aus aller Welt ihre Rente auf und sichern sich den Lebensunterhalt mit der Betreuung der Sprachschüler und Untervermietung der Zimmer. Den Mädchen schmeckte das Essen nicht besonders und es war ihnen mit Nudeln und weichem Toast nicht abwechslungsreich genug. Man muss eben wissen, dass die meisten Familien auf Malta sparsam leben. Sie geben, was sie können. Die Sprachschüler lernen, sich an die jeweils andere Lebensart anzupassen, was ich eher positiv sehe.

Der Vorteil der Unterbringung in einer Familie lag unserer Meinung nach vor allem darin, dass die Kinder einen Ansprechpartner vor Ort haben, falls sie sich nicht gut fühlen oder Rat brauchen. Die Mädchen wohnten gemeinsam in einem Doppelzimmer und weitere Sprachschüler bewohnten andere Zimmer in Johns Wohnung. Trotzdem es dort schön war, würde unsere Tochter beim nächsten Mal lieber in einem Internat wohnen.

So hat es nämlich auch die Tochter einer lieben Freundin gemacht, die sogar noch etwas jünger als unser Mädchen ist. Sie hat die Unterbringung im Sommer-Internat sehr genossen. Ihre Eltern haben das Internat direkt gebucht und die An-/Abreise selbst organisiert. Ich denke, das wäre auch ein interessantes Modell für uns.

Wohnen auf dem Campus

Für unseren 17-jährigen Sohn wiederum war die Wahl des Wohnens auf dem Campus ideal. Die Sprachschüler wohnen hier in einem Internat, das während der Ferienzeiten an die Sprachschule untervermietet wird. Zunächst war ihm die fehlende Sauberkeit der Gemeinschaftsräume sehr unangenehm, aber anderswo ist es eben nicht wie zu Hause (auch lehrreich!) und nicht vergleichbar mit einem Hotel. Auf Nachfrage erfuhr ich, dass sehr wohl alle Räume täglich gereinigt wurden. Es ist halt immer die Frage, wer dort wohnt… Stichwort „Pumakäfig“ – ihr wisst, was ich meine!

In der ersten Woche schliefen 3 Jungs verschiedener Nationen in einem Vierbett-Zimmer, in der zweiten Woche fuhr ein Junge nach Hause und zwei neue Sprachschüler kamen hinzu. So war das Zimmer belegt mit Jungs aus Deutschland, der Schweiz, Türkei und Russland. Sogar ein Brasilianer war unter den Schülern, viele Italiener und Spanier. Sie unterhielten sich allesamt auf Englisch und sind noch immer per WhatsApp-Gruppe miteinander vernetzt. Die Kommunikation auf Englisch reißt also auch nach dem Sprachurlaub nicht ab, Freundschaften haben sich gebildet.

Gegessen wurde in der Schulkantine. Alternativ konnten sich die Kinder selbst in der fußläufig erreichbaren Stadt versorgen. Auch die Lehrer wohnten auf dem Campus und unser Sohn hat nur Gutes berichten können über die anwesenden Betreuer. Da auch der Unterricht auf dem selben Gelände stattfand (was die Bezeichnung Campus ja schon sagt), war dennoch alles familiär und auf gewisse Art „behütet“. Abends nutzten die Kinder gerne den Hot Chocolate Room, um alte Filme zu schauen, zu quatschen und Kakao zu trinken. Das wird unser Sohn definitiv vermissen!

Es gab im Übrigen ein Wohnhaus für Mädchen und ein weiteres für Jungen auf dem Campus. Im Unterricht aber waren alle gemeinsam und haben auch die Freizeit miteinander verbracht. Alle Sprachschüler möchten sich gerne wiedersehen, was wohl für sich spricht.

Sprachreise im Ausland: Lernen mit Spaß!

Beide Kinder haben sich vor Start der Schule einem Sprachtest unterzogen, um in die jeweils entsprechend passenden Sprachkurse eingeordnet zu werden. Nun ist unser Sohn ja drei Jahre älter, was automatisch einen unterschiedlichen Wissens- und Lernstand bedeutet. Obwohl wir beide Sprachreisen bei dem selben Reiseveranstalter gebucht haben, waren die Sprachschulen vor Ort einer jeweils anderen zertifizierten Organisation angeschlossen. Diese sind wohl ortsabhängig verschieden.

Total spannend fand ich, dass dennoch beide Kinder denselben Test durchführen müssten und auch dasselbe Unterrichtsmaterial hatten! Das stellte sich nachher heraus, als die Kinder von ihren Erfahrungen der Sprachreise erzählten. Es werden also offenbar in den Sprachschulen standardisierte Themen besprochen, die aber wohl altersgerecht und spannend gestaltet wurden.

Beiden Kindern hat die Art des freien Sprachunterrichts sehr viel Spaß gemacht, der an 5 Tagen für jeweils 4 Stunden stattfand. Die Lehrer waren entspannt und ausgeglichen, gut ausgebildet und der Unterricht fand in kleinen, multikulturellen Gruppen statt. Alle waren sehr bemüht, den Spaß in den Vordergrund zu stellen ohne den Lernerfolg aus den Augen zu verlieren.

Beide Kinder haben sprachlich und menschlich einiges dazu gelernt, wie wir im anschließenden, gemeinsamen Urlaub in England feststellen durften.

Freizeitgestaltung während der Sprachreise

Es gibt verschiedene Möglichkeiten der Freizeitgestaltung auf einer Sprachreise, was auch abhängig ist vom gebuchten Veranstalter. Generell müssen die Kinder nicht am angebotenen Programm teilnehmen und können auch mit der Familie oder alleine etwas unternehmen. Schnell fanden sich Freunde, die mit zum Strand gingen, zum Shoppen oder gemeinsam die Gegend erkunden wollen.

Das Nachmittags- und Abendprogramm war reichlich gefüllt mit Angeboten von Sightseeing über Ausflüge zu besonderen Stränden, Bummeln durch hübsche Städte und abendliches Feiern auf privaten Schul-Partys. Hier lernten sich die Sprachschüler untereinander näher kennen und verabredeten sich gleich für die nächsten Aktionen. Die meisten Freizeitangebote waren kostenfrei.

Die Fußballschule für unseren Sohn kostete von vornherein extra, es war ein spezielles Angebot des Reiseveranstalters. Schaut euch mal die Sprachreisen mit Sportangebot an – dort gibt es kaum eine Sportart, die nicht angeboten wird. Von Reiten über Tanzen, Tennis, Golf und Wassersport ist fast alles möglich. Hier treffen dann auch automatisch Kinder mit ähnlichen Interessen aufeinander. 

Kosten einer Sprachreise 

Wir haben für die Sprachreisen unserer Kinder einen kleinen Veranstalter mit mittelpreisigen Reisekosten ausgewählt (durchschnittlich etwa 2.000 Euro für 14 Tage inklusive Anreise per Flug, ohne Taschengeld). Wir hatten uns auch die Angebote teurerer Veranstalter angeschaut, konnten allerdings kaum Unterschiede in der Leistung entdecken. Denn alle Organisationen bringen ihre Schüler in den selben Familien unter und unterrichten ihre Schüler an der selben Schule. Alle essen zusammen, können die gleichen Freizeitangebote nutzen und halten sich an den gleichen Orten auf. 

Es gibt wenige, exklusive Sprachreise-Organisationen, die sowohl eine eigene Schule als auch eigene Nachmittags- und Abendprogramme unterhalten. Diese sind selbstverständlich auch wesentlich teurer. Das kann auch mal den doppelten Preis einer „Standard-Sprachreise“ ausmachen. Inwieweit es sich lohnt, so viel mehr Geld in die Sprachreise zu stecken, vermag ich nicht zu beurteilen.

Ab welchem Alter ist eine Sprachreise sinnvoll und wie lange sollte eine Sprachreise dauern?

Wir empfehlen eine Sprachreise im Ausland für Kinder im Alter von etwa 13 bis 17 Jahren, abhängig vom jeweiligen Entwicklungsstand. Die Teenager nehmen unglaublich viel Erfahrung von nur zwei Wochen Urlaub ohne ihre Eltern mit. Unerlässlich ist dabei natürlich, dass die Kinder sich selbst auf diese Zeit freuen und nicht zu ängstlich darauf blicken. Eine Sprachreise ist ein unvergessliches Erlebnis!

Es gibt auch Kinder-Sprachreisen ab dem Grundschulalter. Diese finden meist in Deutschland in einem Camp statt, in dem sportliche und gesellschaftliche Aktivitäten im Vordergrund stehen. Dabei wird hauptsächlich Englisch gesprochen, wodurch die Kinder im aktiven Umfeld anstatt durch Schulunterricht lernen sollen. Zu diesem Modell haben wir leider keine persönlichen Erfahrungen vorzuweisen.

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Außerdem haben wir durch unsere Freunde eine tolle Homepage entdeckt, über die man Internate für die Ferien direkt buchen kann. Dort werden die Schüler beispielsweise auch aufs Abitur vorbereitet. Das finde ich eine wunderbare Idee für unseren Sohn, der im kommenden Jahr ja schon volljährig ist und sich nicht mehr für klassische Sprachreisen interessiert. Er könnte beispielsweise auch eine Sprachreise nach Kanada oder in die USA unternehmen. Das stelle ich mir spannend vor.

Zwei Wochen solltet ihr schon für eine Sprachreise investieren, damit diese Erfolg zeigt. Das ist sowohl für den Unterricht als auch für die Bindung der Schüler untereinander wichtig. Die ersten Tage der Sprachreise dienen der Orientierung und Einfindung in die neue Umgebung. Es wäre schade, zu bald wieder abreisen zu müssen, bevor der Effekt des Träumens in der fremden Sprache eintritt. Das nämlich ist auch eine wundervolle Erfahrung!

Weitere Lerneffekte und Vorteile durch Sprachreisen

Die Teenager lernen am meisten durch die Kommunikation mit anderen Sprachschülern aus aller Welt. Diese Kontakte sind äußerst wertvoll und können ein ganzes Leben lang anhalten. Sie lernen dabei nicht nur effektiv die englische Sprache, die sie alle miteinander verbindet, sondern auch kulturelle Unterschiede besser kennen als während anderer Urlaube. Reisen bildet! Wie cool ist es, schon als Teenager sagen zu können, man habe Freunde auf der ganzen Welt! Unser Sohn fragte bereits nach einer Reise Richtung Moskau, um jemanden aus England wiederzutreffen…

Außerdem lernen die Teenager, sich in einem fremden Land zurecht zu finden. Wir als Eltern müssen lernen, darauf zu vertrauen, dass die Grundsteine der Erziehung unsere wohl behüteten Kinder hoffentlich vor allzu großen Dummheiten schützen. Wir können ihnen gute Ratschläge mitgeben, aber sie müssen einen eigenen Instinkt für richtig und falsch selbst entwickeln.

Für sein eigenes Wohl zu sorgen und vorausschauend zu planen – ohne die tatkräftige Unterstützung der Eltern – hilft den Teenagern beim Erwachsen werden. Der Umgang mit abgezähltem (reichlichem!) Reisebudget in Form von Taschengeld fiel unserer Tochter recht schwer. Doch der Sohn brachte fast alles Geld von seiner Reise wieder mit… So unterschiedlich sind eben auch Kinder aus ein und derselben Familie.

Unsere Tochter musste lernen, dass nicht automatisch frisches Geld nachkommt, wenn sie nicht richtig kalkuliert hat. Wir hatten nämlich versäumt, ihr eine Prepaid-Kreditkarte für Notfälle mitzugeben. Eine schnelle Überweisung war nicht möglich, da wir uns derzeit selbst im Ausland befanden. Es war hart für sie, aber lehrreich, die letzten Tage auch ohne Taschengeld auskommen zu müssen. Ihr seht also, die Lerneffekte einer Sprachreise finden auf zahlreichen Gebieten statt…

Noch Fragen?

Habt ihr noch Fragen zu Sprachreisen? Ich freue mich, euch diese aus Elternsicht zu beantworten oder an meine Kinder weiterleiten zu dürfen. Habt ihr selbst schon einen (werbefreien!) Artikel zum Thema verfasst? Dann verlinkt ihn gerne in den Kommentaren.

Eure 




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