Per Wohnmobil in Norditalien: Luganersee – Mailand – Gardasee – Verona – Adria – Venedig..

18. August 2014

Zunächst vorweg genommen: wir sind keine Proficamper! Gerade mit Kindern ist das Campen aber eine tolle, sehr abwechslungsreiche Art zu urlauben. 



Wie alles begann: 
Als mein Mann und ich uns etwa ein halbes Jahr lang kannten, wagten wir etwas sehr Ungewöhnliches: Wir hatten die Entscheidung gefasst, unsere bombensicheren Jobs aufzugeben und uns selbständig zu machen. Wir kündigten beiden Arbeitgebern, liehen uns das Wohnmobil eines Nachbarn, packten einen Haufen Fachliteratur ein und alles, was man zum Campen braucht. Bis dato hatte ich weder ein Wohnmobil noch ein Zelt je von innen gesehen. Meine Eltern bevorzugten mit uns eher Urlaub im Hotel oder Ferienhaus, woran man selbst ja später meist dann auch festhält. Also war es ein Wagnis auf allen Ebenen für mich. Hier ging es nämlich nicht um 3 Wochen, sondern um eine Reise über 3 MONATE! Ohne Vorbuchungen und mit ungewisser Zukunft fuhren wir los. Mit einem Heiratsversprechen, vielen weiteren unvergesslichen Erlebnissen und sogar einer Campingfreundschaft fürs Leben kamen wir zurück und eröffneten unsere eigene Firma. Das ist nun fast 16 Jahre her. Camping hat für uns also auch etwas Nostalgisches.


Die Vorbereitung zum Camping:

So leihen wir uns alle paar Jahre mal wieder ein Wohnmobil, um unseren Kindern das Campingerlebnis nicht vorzuenthalten. Allerdings sind wir nicht die hartgesottenen Camper, wie sie im Buche stehen. Nein, wir machen es uns gern schön und buchen am Liebsten sehr gut bewertete Campingplätze mit sauberen Sanitäranlagen (Einzelduschen!), abschließbaren Waschkabinen, großem Schwimmbadbereich, Restaurants, Supermarkt und Sportangeboten inbegriffen. Diese guten Campingplätze findet man beispielweise über die Homepage des ADAC oder – noch besser: – man folgt den ausführlich beschriebenen Tipps des Campingführers in Buchform. Will man in der Hauptsaison fahren (mit schulpflichtigen Kindern ja kaum anders möglich), sollte man tunlichst vorbuchen – vor allem für die Hauptreisezeit August – wenn man es möglichst komfortabel haben möchte! Diesmal aber kam alles etwas anders:
 
Wir hatten nicht vorgebucht, wollten flexibel sein – dafür schließlich macht man ja auch Camping! Das ist mutig, ermöglicht dann aber auch wieder spontan eingeschobene Ausflüge z.B. nach Mailand oder Venedig, weil man ja nicht zum bestimmten Zeitpunkt „da“ sein muss. Wir packten also direkt vor unserer Haustür das Wohnmobil und freuten uns auf einen Urlaub ohne Koffer. Man hat ja das „Hotelzimmer“ quasi immer dabei. Das ist das eigentlich Wundervolle an dieser Art zu urlauben. Man ist so frei und fährt, wohin man möchte – gefällt es uns, dann bleiben wir. Bekommt man unterwegs mal Hunger, sucht man sich einen tollen Ausblick – dort am Wegesrand, auf einer Klippe, am See oder auf dem Platz einer Großstadt kocht man sich mal eben Spaghetti und genießt es, alles dabei zu haben, was man wirklich benötigt. 

 



Die Camping-Reise in Norditalien:
Per Wohnmobil zum Luganersee – Gardasee – Mailand

Nach dem Zwischenstopp an einem Campingplatz am Luganersee – natürlich mit Blick auf denselbigen fuhren wir tags drauf weiter zum Gardasee, der unser eigentliches Ziel sein sollte. Mit kleinem Umweg könnte man noch Mailand anschauen. Hui, mit Wohnmobil nach Mailand hineinfahren? Was ist, wenn das Fahrzeug aufgebrochen wird – ist dann der Urlaub vorbei ehe er angefangen hat? Egal – meinen Mann hält da nichts, wir versuchen es einfach und halten an einem großen Busparkplatz direkt vor den Toren des Castells. Einen halben Tag verbrachten wir in Mailand und konnten die Luft der pulsierenden Stadt einatmen, wie herrlich! Dem Wohnmobil passierte gar nichts, so konnten wir problemlos die Fahrt wieder aufnehmen:
 
Es ging zum südlichen Gardasee: Peschiera del Garda. Wir fanden einen guten Campingplatz, doch leider gab es nur noch einen einzigen freien Stellplatz: Direkt an der Müllpresse! Es stank nicht, war aber laut… Die Nachbarn begrüßten uns freudig und halfen selbstverständlich beim Einparken. Das ist überall gleich: Camper helfen einander gern und danach muss man nicht fragen, die Leute kommen von selbst – egal welcher Nationalität. Macht man also am ersten Stellplatz fest und weiß, dass man ein paar Tage bleiben möchte, baut man sein Draußenwohnzimmer auf – alle haben Spaß zu helfen und es sich einzurichten wie man mag. Das hat etwas von Nestbau! So wird die Matte für draußen glatt gelegt, der Tisch und die Stühle aufgestellt, die Markise ausgefahren, Wäscheleine befestigt und das Leben DRAUSSEN beginnt! 

 


 

Beim Camping ist alles easy – Improvisieren macht Spaß!

Vom Schlafanzug in den Bikini, nach der Dusche ins Sommerkleidchen und wieder zurück ins Schlafzeug. Herrlich! Zum Waschen geht man ruhig auch mal im Schlafanzug, niemand guckt irritiert, alle grüßen freundlich. Wer denkt, Camper seien ungepflegt, der darf sich gern eines Besseren belehren lassen. Auch das „Häusle“ wird gewienert und sorgfältig rein gehalten. Das Aufräumen eines Wohnmobils kostet schließlich gerade mal ein paar Minuten Zeit und mit Handstaubsauger hat man alles ruckizucki sauber.
 
Draußen sieht man die Frauen freudig die Matte fegen, während Mann und Kinder mit dem Geschirr zum Spülplatz gehen. Unsere Tochter sagte bei ihrem ersten Campingerlebnis mit uns ganz erstaunt: „Hier muss man ja ALLES selbst machen!“ (Ihr fehlte Spülmaschine etc, was wir halt von daheim gewohnt sind. Man trifft Leute wie uns, die halt improvisieren, wenn etwas fehlt und die Profis, die einfach ALLES dabei haben. Ich sehe bei Nachbarn im Vorzelt einen Backofen, Mikrowelle, großen Kühlschrank und sogar Sat-TV – quasi alles, was man auch zu Hause hat. Die Mama hat für ihre 4 Jungs Handtücher in der jeweiligen Farbe der Badehose gekauft – unsere Kinder nennen die Jungen natürlich nun auch nach der Farbe: „Der gelbe Junge sagt…“. Diese Frau macht den lieben langen Tag kaum etwas anderes, als die Badehosen auszuspülen, Handtücher auszuklopfen und aufzuhängen, zu falten, zu kochen, Gemüse zu schnibbeln, alle halbe Stunde den Platz zu fegen…
 
Nee, da sind wir wesentlich entspannter. Wir haben weder eine Kaffeemaschine noch ein Nudelsieb dabei – hier wird improvisiert, was das Zeug hält – und es macht riesigen Spaß! Die Kinder laufen mir hinterher bis zum Strand, wenn ich per Küchentuch den Salat schleudere. Auch wird unser Wohnmobil nicht per Wasserwaage ausgerichtet. Steht man etwas schief, hat das auch was.. Das sind doch Kindheitserlebnisse, die man nie vergisst. Unser winziger 10-Euro-Grill hat uns gute Dienste geleistet, obwohl ich schon ein wenig neidvoll auf die Nachbarn schaute mit ihrem überaus vielfältig nutzbaren Gasgrill mit den unterschiedlichsten Aufsätzen ;-)
 
Tagsüber hält man sich am Pool oder Strand auf, unser Sohn fast ausschließlich am Fußballplatz, am Abend essen wir gemeinsam und spielen Karten, bis uns die Augen zufallen. Erst dann betreten wir wieder das Wohnmobil – alles andere spielt sich komplett draußen ab. 


Mit dem Wohnmobil nach Verona

Nach ein paar Tagen im Campingclub Bella Italia ging es über ♥ Verona  also weiter nach Jésolo, von wo aus wir gern einen Ausflug nach Venedig machen möchten. Verona ist absolut eine Reise wert – welch eine wundervolle Stadt, in die wir alle sicher nochmal zurückkehren möchten! Wir schlenderten durch die malerischen Gassen und genossen das Flair der Stadt. Am Haus der Julia schauten wir hinauf zum Balkon wie ihr Romeo einst und hängten als Familie ein Liebesschloss an den Zaun. Die Schlüssel dazu nahmen unsere Kinder in Gewahrsam. Doch irgendwann mussten wir ja weiterfahren – unser Ziel war doch Jésolo, das El Dorado der Camper…

„Jésolo“ ist für mich ab sofort Reizwort 8/2014! Mein Mann hatte einen der ca. 20 guten Campingplätze in der Gegend vorbuchen wollen und bekam überall gesagt, wir sollten einfach kommen – es gäbe IMMER einen Platz für uns. HA!! Wir fuhren stundenlang durch die Gegend, um überhaupt irgendeinen Stellplatz zu bekommen. Es waren immer mindestens 50 Familien vor uns auf der Warteliste, die 1 – 2 Tage am Straßenrand stehen mussten. Nix für uns, also weiter! Schlussendlich konnten wir zumindest 1 Nacht in Premiumposition verweilen am Camping Village Cavallino – direkt am Strand – mussten aber am folgenden Tag den Platz verlassen. Nicht ganz so tragisch, denn die Mückenplage war kaum auszuhalten. Camping Silva war nächste Station, der trotz der dürftigen 2-Sterne-Auszeichnung überraschend nett gemacht und sauber war, allerdings waren auch hier nicht gerade weniger Mosquitos.
 
Jetzt hatte sich das Thema Jésolo / Cavallino für uns endgültig erledigt – wir wollen ja mal zur Ruhe kommen und uns einrichten und nicht jeden Tag was Neues suchen müssen. Um das Fiasko der letzten Tage aufzuholen, steuerten wir von dort in aller Frühe Venedig an und machten es uns inkl. Gondoliere-Fahrt so richtig schön! Was für ein Erlebnis! Wer per Wohnmobil nach Venedig möchte, kann direkt vor der Stadt das Fahrzeug sicher auf dem Tronchetto-Parkplatz stehen lassen und per Boot zum Markusplatz fahren. Hat wunderbar geklappt und uns allen einen traumhaften Tag beschert.
 


Mit dem Wohnmobil zum Gardasee – da war es doch schöner!

Doch wohin von dort aus? „Zurück zum Gardasee“, beschloss der Familienrat einstimmig. Gleich der erste Campingplatz wimmelte uns wieder per ultralanger Warteliste ab und so fuhren wir den nächsten Platz bei Lazise di Garda an: Camping Lido direkt am See mit allem, was man braucht. Im zugehörigen Restaurant mit Seeblick genossen wir leckerstes Essen bei Sonnenuntergang. Hier fragten wir uns erstmalig, wofür eigentlich die Sterne vergeben werden. Uns gefiel es hier wesentlich besser als an den höher bewerteten Plätzen: die Wasserrutsche als Highlight für die Kinder, gute Restauration, reichlich ausgestatteter Supermarkt, saubere Sanitäranlagen und freundliche Menschen. Was will man mehr? Sicher hat jeder Camper seine eigenen Vorstellungen, wie groß ein Campingplatz und wie die Ausstattung sein sollte. Doch gefiel es uns besser an den kleineren Plätzen, wo nicht so viel Rambazamba herrscht. Jedem das Seine! 



So hatten wir noch einige schöne Tage am Gardasee, kehrten nach Deutschland zurück und genossen mal einen bayrischen Campingplatz am wunderschönen Tegernsee als Zwischenstation. Danach gab es noch einen herrlich spontanen Besuch bei einer lieben Freundin, die leider viiiel zu weit entfernt von uns wohnt und ein richtig tolles Fest mit meiner Großfamilie im Hunsrück. Dennoch bin ich froh, nun wieder im eigenen Bett zu schlafen, die eigene Dusche und Toilette zu nutzen und den Komfort zu genießen, den das private Zuhause eben hat.



Liest sich alles wie 4 Wochen Urlaub – waren aber nur zwei!! That’s Camping.. 
 
Alles Liebe, eure Stephie
 
 
 
 
 

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6 Kommentare

  • Antwort Fynn 4. April 2019 at 15:31

    Ein wirklich schöner Reisebericht zum Camping. Die Erfahrung mit den Stellplätzen am Gardasee haben wir bereits auch schon gemacht und mussten schon mit wirklich „besonderen“ Orten vorlieb nehmen. Aber das gehört halt manchmal dazu, gerade wenn man in beliebten Regionen wie dem Gardasee unterwegs ist.

  • Antwort Julia 15. Dezember 2017 at 10:24

    Ich habe gerade den Bericht über die Zeit auf Borkum gelesen. Also wo ihr das Haus verkauft habt. Schöner Bericht und du kommst so sympathisch rüber.

    Auch dieser Artikel gefällt mir sehr, auch wenn wir keine Campingfreunde sind grins. :)

    • Antwort Stephie 15. Dezember 2017 at 10:29

      Vielen Dank, liebe Julia! Freut mich sehr, dass dir meine Art zu schreiben gefällt. Wir machen auch sehr unterschiedlich Urlaub: da ist von Camping bis 5-Sterne alles dabei. Wir lieben die Mischung!

  • Antwort sabine 27. Januar 2017 at 14:13

    Ein total netter Überblick, hat Spaß gemacht zu lesen!
    LG vom Kalterer See

  • Antwort Heike 19. August 2014 at 18:19

    Das klingt nach einem richtig tollen Urlaub! Danke für den kleinen Kurzurlaub im Kopf :-)

  • Antwort Anonymous 19. August 2014 at 11:19

    Im letzten Jahr haben wir uns ebenfalls ohne „Vorkenntnisse“ ein feines Wohnmobil gekauft und sind seitdem süchtig danach, ich kann Deine Begeisterung also gut nachvollziehen. Danke für den schönen Urlaubsbericht ❤
    Liebe Grüße Simone

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