Abenteuer Hausboot mit Großfamilie

11. Oktober 2016
Per Hausboot durch Holland mit Großfamilie. Das Boot

„Urlaub mit der Großfamilie auf einem Hausboot durch Holland.“ Das hörte sich für mich im Vorfeld nach einer echten Challenge an. Anlässlich des 40. Geburtstages meines Bruders überraschte meine Schwägerin ihn mit einem Großfamilien-Kurzurlaub. Wir sind vier Geschwister, die sich sehr nahe sind, sich aber zu selten sehen. Es war ein ereignisreiches Wochenende, an dem nicht immer alles glatt lief. Vom sonnigen Frühstück an Deck bis zur Orientierungslosigkeit im dichten Nebel war alles dabei:

Per Hausboot durch Holland mit Großfamilie. Das Boot

Let the challenge begin:
mit der Großfamilie auf engstem Raum 

Mein Bruder wusste von der Reise bis zuletzt von NICHTS. Erst in Holland wurde ihm klar, dass dies kein ruhiges Wochenende nur mit seiner Frau und den drei Kindern werden sollte. Meine Schwägerin hatte alles gepackt und ihm nur mitgeteilt, dass sie über seinen Geburtstag für vier Tage wegfahren wollen. Gepackt hatte sie bereits für ihn, er solle einfach entspannen. In Holland angekommen wunderte er sich über die ihm wohl bekannten Fahrzeuge auf dem Hof eines Hausboot-Verleihs. Nach großem Hallo mit riesiger Freude bekamen wir eine kurze Einweisung im Umgang mit dem Hausboot. Dazu gab es eine Mappe mit Hinweisen und los ging es…

 

 

Unser Hausboot in Holland

Ein Boots-Führerschein war nicht erforderlich, das hatten wir bereits im Vorfeld geklärt. Doch es sollte sich noch herausstellen, wie hilfreich es ist, wenn zwei Männer an Bord die Grundlagen des Segelns beherrschen. Fünf Kinder und fünf Erwachsene fanden Platz in den fünf winzigen Kabinen unter Deck. Die Kojen hatten jeweils eine Breite von etwa 60 cm, was eine echte Herausforderung darstellte. Es gab sogar drei Toiletten mit Waschbecken. In der Mitte war ein großes Wohnzimmer mit Küchenzeile. Wir fühlten uns wie beim Camping mit dem Wohnmobil, dünne Wände inklusive.

Improvisation ist alles

Das Schönste am Camping und einer Hausboot-Fahrt ist doch das Improvisieren. Wir wussten grob, was an Bord vorhanden sein sollte: Bettwäsche, Handtücher, Geschirrtücher und eine – naja – voll ausgestattete Küche. Der Vermieter wies darauf hin, dass nur dünnes Toilettenpapier mitgebracht wird. Klar, die Toilettenrohre an Bord sind halt nur wenige Zentimeter breit. Die Duschen an Bord wären zwar nutzbar gewesen, nicht aber ohne die Toilette und Waschbecken mit unter Wasser zu setzen. Also duschten wir lieber an Land. Dazu ist empfehlenswert, Häfen aufzusuchen, an die ein Campingplatz angeschlossen ist. In Heeg waren die Duschräume super sauber, doch an den anderen Stationen hat das Duschen etwas Überwindung gekostet. 

In der Küche fehlte zunächst Gas, welches wir im ersten Hafen einkauften. Denn ein Wasserkocher war genauso wenig an Bord wie eine Kaffeemaschine. Beim Camping auf dem Wasser kommt man ganz schnell zurück auf den Boden. Zu improvisieren macht richtig Spaß. Wir verlassen unsere selbstverständlich gewordene Comfortzone und wissen wieder zu schätzen, was wir zu Hause haben. Auch den Kindern tut das gut! Smartphones und Fernsehen waren kaum nutzbar, da wurde wieder viel gespielt. 

Abenteuer, wir kommen!

Per Hausboot durch Holland mit Großfamilie. Fahrt in den Sonnenuntergang

 

Erster Halt: Heeg (Friesland, NL)

Beim Ablegen vom Hafen in Woudsend überlegten wir uns, wie wir die Route mit dem Hausboot durch Holland gestalten. Wir wollten pro Tag maximal vier Stunden mit dem Hausboot fahren und dann am Hafen anlegen. Alles sollte entspannt und spontan ablaufen. Nach etwa einer Stunde Bootsfahrt legten wir in Heeg an. Die Innenstadt von Heeg ist dörflich, mit kleinen Häusern, einem schönen Hafen und gemütlichen Restaurants. 

Am folgenden Morgen konnten wir sogar an Deck frühstücken, was wir ausgiebig genossen. Die Männer erledigten noch den Abwasch und schon konnten wir wieder ablegen. Unsere Männer an Bord manövrierten das Hausboot aus dem Hafen, als hätten sie nie etwas anderes getan. Chapeau! Ich hätte diese Parklücke gerade mal mit dem Auto geschafft. Auch das Durchfahren der Brücken war recht abenteuerlich:

Zweite Station: Stavoren (Friesland, NL) mit Geburtstagsparty

Was mein Bruder ebenfalls nicht wusste: Zwar waren unsere Mutter und meine vierköpfige Familie mit an Bord, doch sollten heute Nacht noch eine Schwester mit ihrem Mann dazu kommen. Um Mitternacht schrieb mir unsere Schwester, sie seien am Hafen von Stavoren angekommen. Schnell ging ich von Bord, um sie dort abzuholen. Kurz darauf gesellten sich noch zwei Nachbarn von einem Segelboot zu uns, die offenbar hörten, dass bei uns jemand in seinen Geburtstag hinein feierte. So waren wir derweil 14 Personen auf dem Hausboot – Was für eine Party!

 

Wir schickten die Kinder kurz nach Mitternacht zu Bett, um genügend Platz am Tisch zu haben und feierten bis halb fünf am folgenden Morgen durch. Herrlich! Nach einem späten Geburtstags-Frühstück an Deck erkundeten wir das kleine Hafenstädtchen Stavoren. Gegen Mittag beschlossen wir, den nächsten Hafen anzusteuern. Jedes Kind durfte auch mal steuern, was allen großen Spaß machte. So ein Hausboot zu fahren ist doch gar nicht so schwierig. 

 

Dritte Nacht auf dem Hausboot: Lemmer (Friesland, NL)

Nach Lemmer einzufahren war wunderschön. Überhaupt stellten wir fest, dass die Städte von der Wasserseite aus einen besonders schönen Anblick bieten. Gleich nachdem wir festgemacht hatten, schaute ich mir mit meiner Tochter dieses hübsche Städtchen an, das direkt am Ijsselmeer gelegen ist. So schön es auch ist, mit der Großfamilie zusammen zu sein, so brauchten wir auch Momente nur für uns allein. Nach dem leckeren Abendessen im Hafen mussten sich meine Schwester und ihr Mann leider schon wieder verabschieden. Nun waren wir wieder zu zehnt an Bord.

Per Hausboot durch Holland mit Großfamilie. Noch lacht Stephie

Die Kinder durften bei ruhiger See vorn auf dem Bug sitzen oder übers Heck angeln. Wir ließen alle uns dick eingepackt den Wind um die Nasen wehen. Es gab überall grinsende Gesichter, glückliches Lachen und viel Spaß! 

Die Nächte wurden immer kälter: Trotzdem wir im Jogginganzug mit Sweatshirt, eingehüllt in Schlafsack und dicker Bettdecke schliefen, so froren wir sehr. Schließlich sind die Wände beim Hausboot sehr dünn. Phasenweise konnten wir die Heizung einschalten, die schrecklich nach Urin stank und zudem nach kurzer Zeit wieder ausging. So verbrachten wir die Nächte wie in einem nicht beheizten Wintergarten. Das nächste Mal werden wir Wärmflaschen mitnehmen!

Rückkehr mit dem Hausboot nach Woudsend 

Wir starteten wieder bei herrlichem Wetter. Doch da wir alle zu lange geschlafen hatten und die Kälte der Nacht (trotz heißer Dusche) noch in den Knochen steckte, frühstückten wir heute anders: Die Männer steuerten das Boot sicher aus dem Hafen, während die Frauen unter Deck zahlreiche Brötchen schmierten. Schließlich mussten wir mittags das Hausboot wieder in Woudsend abgeben.

Per Hausboot durch Holland mit der Großfamilie. Routenplanung

Plötzlich wurde es an Deck hektisch: Die Sitzkissen wurden nach drinnen gegeben und alles sollte verräumt werden. Eine Schlechtwetterfront war in der Ferne sichtbar. Wir fuhren geradewegs auf eine schwarze Wand zu. Die Kinder wurden abgelenkt mit Spielen wie Kniffel und Stadt-Land-Fluss, was sie die gesamte Zeit über schon rauf und runter gespielt hatten. Kurios: Hinter uns klares Wetter und blauer Himmel, vor uns wechselte die schwarze Wand in dichten Nebel. Jetzt wurde es kritisch! Plötzlich tauchte ein Frachtschiff vor uns auf und fuhr bedrohlich eng an uns vorbei.

Verirrt im Nebel

Wo waren wir hingeraten? Bisher war es so einfach gewesen, die Spur zu halten, doch nun sahen wir die Hand vor Augen nicht. Bojen verschwanden im Nebel, Begrenzungen am Rand der Fahrrinne waren nicht mehr erkennbar. Wir wiesen die Kinder an, ihre Sitzplätze unter Deck nicht mehr zu verlassen. Meine neunjährige Nichte hatte so viel Angst, dass sie sogar eine Schwimmweste anzog. Viel weniger Sorge hatten wir Erwachsenen auch nicht, denn jederzeit hätte uns ein anderes Schiff rammen können oder wir selbst wären irgendwo stecken geblieben. Was für eine Aufregung!

 

Dieses Bild war noch sehr harmlos, wenige Minuten später sah es ganz anders aus! Wir erkannten kaum noch unser eigenes Bug.

Dank der Ortungsfunktion unseres Handys konnten wir feststellen, wo in etwa wir waren und sahen anhand der Karte, dass dieses Gebiet von vielen kleinen Inseln umgeben war. Wir drosselten die Geschwindigkeit und versuchten, per Handy Hilfe anzufordern.

Die Anweisung des Hausboot-Verleihers lautete: „Bleibt dort stehen, wo ihr seid und wartet, bis ihr wieder klare Sicht habt. Der Nebel ist extrem gefährlich!“

Nach einiger Zeit erkannten wir eine Boje mit Kennzeichnung, die uns den exakten Standort auf der Seekarte anzeigte. So schnell der Nebel kam, so schnell zog er auch wieder ab. Das waren wohl die längsten zwanzig Minuten unseres Lebens! Nun fanden wir schnell zum richtigen Weg zurück und die Sonne bescherte uns wieder blauen Himmel, als sei nie etwas gewesen. Unfassbar, wie schnell man in Seenot geraten kann! Auch meine Nichte war schnell beruhigt und konnte wieder lachen. So kamen wir alle gesund und äußerst munter in den sicheren Hafen zurück.

Wir sind uns einig: So eine Fahrt mit dem Hausboot durch Holland mit der Großfamilie möchten wir noch einmal machen! Es war grandios!

Und nun tauche ich ab, um aus den 450 Fotos und Kurzfilmen ein Video für die Familie zu basteln. 

Alles Liebe, eureUnterschrift Stephie

 

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3 Kommentare

  • Antwort Kerstin 13. Oktober 2016 at 18:08

    Herrlich Stephie, bin gleich noch an dem Camping-Blogpost hängen geblieben. Da freue ich mich gleich auf unsere zunkünftigen Urlaube und Kurztripps im neu gekauften Wohnmobil.

    • Antwort Stephie 13. Oktober 2016 at 18:35

      Oh ja, das Camping hat uns immer Spaß gemacht. Müssten wir auch bald mal wieder einplanen.

  • Antwort Krissi 12. Oktober 2016 at 10:35

    Grossartig geschrieben, tausend dank!
    Beste grossfamilie ever
    Den Geburtstag sollten wir so schnell nicht mehr vergessen

  • Ich freue mich über Deinen Kommentar

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