Meinem Rückenschmerz auf der Spur

18. September 2015
Meinem Rückenschmerz auf der Spur

Wie lange schon bin ich meinem Rückenschmerz auf der Spur? Häufige Rücken- und Nackenprobleme verfolgen mich seit Jahren. Jetzt endlich habe ich neue Erkenntnisse und Einsichten gewonnen sowie erste Maßnahmen dagegen getroffen.
Aber zunächst erzähle ich, wie meine fast vergessenen Rückenschmerzen plötzlich wiederkamen: Der regelmäßige Sport hatte doch in den letzten knapp 2 Jahren gute Abhilfe geleistet – ich war so gut wie schmerzfrei! Doch leider habe ich nach einigen Runden meines festen 100-Days-Sportprogramms (= 100 Tage Sport ohne Pause) irgendwann den Faden verloren und immer weniger Sport gemacht. Natürlich habe ich gespürt, dass sich mit der Zeit meine Muskulatur abbaute, doch mein Schweinehund war stärker. Ab und zu war ich mal beim Nordic Walking, hin und wieder schwimmen, aber meine bisher täglichen Pilates-Übungen blieben auf der Strecke. Doch irgendwann wollte ich dieses tolle Körpergefühl zurückhaben und wieder richtig fit werden. Ich fühlte mich MIT SPORT doch so viel wohler!

Meinem Rückenschmerz auf der Spur

Als ich dann wieder täglich und „mit voller Kraft voraus“ schwimmen ging, erlitt ich kurz darauf Schmerzen, die einem Bandscheibenvorfall sehr ähnlich sind und die ich bereits von meinem Bandscheibenvorfall im Jahr 2006 kannte: Die fürchterlichen Schmerzen schränkten meine Bewegung so sehr ein, dass ich kaum noch gehen, sitzen oder stehen konnte. Absolute Ruhe für die erste Zeit und Sportverbot für viele Wochen waren die Folge. Starke Schmerzmittel schalteten den Körper auf Ruhemodus und mit Stufenlagerung der Beine ging es mir immer besser. Doch mein Fitnesslevel und mein tolles Körpergefühl sanken ins Bodenlose, gelinde gesagt.

So geht es nicht weiter – ich will wieder gesund und fit sein!

Irgendwann aber platzte mir die Hutschnur und ich wollte nach meinem Sommerurlaub einfach mal testen, wie es ist, wenn ich die Schmerztabletten absetze und statt dessen Sport treibe – wieder jeden Tag, aber nur leichte Pilates-Übungen und etwas Rückenschwimmen. Täglich absolviere ich also seit ein paar Wochen mein Rückenprogramm, das nie länger als 30 min dauert und mich nicht überbelastet. Dachte ich zumindest – bis das erste Zwacken wiederkehrte. Totaler Frust und die Angst vor erneuten, langwierigen Schmerzen stieg in mir auf!

Auf Drängen meines Arztes ging ich zu einem anderen Physiotherapeuten als bisher (Ich bin ja sehr loyal und sperrte mich seit Jahren gegen einen Wechsel). Dieser Therapeut wollte zunächst meinen Körper „kennenlernen“. Er strich über den gesamten Körper und beobachtete die Reaktionen der einzelnen Körperregionen. Er drückte mal ganz leicht hier und da, massierte in streichenden Bewegungen vom Kopf bis zu den Zehen. So kannte ich das bisher nicht und ich war ein wenig verunsichert, da ich bislang zu Physiotherapie-Sitzungen maximal mein Shirt und die Schuhe ausziehen sollte. Nun trug ich lediglich einen Slip, der teilweise auch noch verrückt werden musste /*huch*/. Allerdings muss ich sagen: Gründlicher bin ich wohl noch nie äußerlich untersucht worden. Nach der Behandlung stand ich auf und fühlte mich wie neu geboren. Dabei wurde nichts gerenkt, zurecht geschoben, gezogen oder stark massiert. 

Erkenntnisse und Einsichten

In der zweiten Physiotherapie-Stunde erschien ich in Sportzeug und er schaute sich an, welche Übungen ich in welcher Art durchführe. Ich zeigte einzelne Pilates-Übungen, die ich seit ein paar Wochen häufig wiederhole. Dazu sagte er währenddessen gar nichts, ließ mich bloß machen. Die Diagnose:

 „Sie führen alle Bewegungen sehr gezielt, energisch und sauber aus, Ihre Muskulatur ist dabei extrem angespannt. Alles muss unter Ihrer Kontrolle sein und Sie verlangen dem Körper ab, er möge bitteschön entsprechend funktionieren. Mir scheint außerdem, dass Sie permanent in Bereitschaft sind, für andere da zu sein. Gibt es Zeiten am Tag, an denen Sie mal „nichts“ tun?“ 

Ich war total baff – der kennt mich doch gar nicht. Meine Antwort: „Ja, ich entspanne auch mal. Abends lese ich sehr gern.“ Er kontert:

„Lesen zählt nicht! Auch, wenn Sie die Geschichte persönlich nicht aufwühlt und Sie diese nur spannend finden. Sie sind ein Mensch, der seine Muskulatur permanent extrem stark anspannt. Egal, was Sie tun. Sie hören wahrscheinlich auch Nachts nicht damit auf – wahrscheinlich lauschen Sie noch unbewusst, ob Ihre Kinder wach werden.“

Naja, meine Kinder sind schon groß, aber hat er vielleicht Recht? Ich höre Nachts die Flöhe husten, was mich selbst fürchterlich stört. Ich lasse meine Muskulatur selten locker, wenn ich mal ganz genau darüber nachdenke. Oft ziehe ich die Schultern hoch und verspanne, wenn mich etwas auch nur leicht ärgert. Aber ich mache das ja immer schon so. Wie also soll ich das plötzlich ändern?

Indem ich mir meine Körperhaltung immer wieder bewusst mache!

Meine „Hausaufgabe“ ist nun also, mich etwa 10 Minuten am Tag komplett zu entspannen – ohne daran zu denken, was ich als nächstes tun möchte / muss. Ohne eine Zeitschrift zu blättern, Hörbuch zu hören oder meinen Gedanken nachzugehen. Das ist nicht so einfach. Ich lasse mal die Schultern bewusst sinken und schließe die Augen, während ich am PC sitze. Ich lausche nicht nach irgendetwas und versinke einfach ein paar Minuten in mir selbst. Auf einem großen Ball  kann ich meinen Rücken „aushängen“ und die Wirbel entlasten (Der Ball sollte für den Zweck etwa 65 cm Durchmesser haben für meine kleine Körpergröße von 1,67 m). Ich tue etwas für MICH!
Den Sonnengruß aus dem Yoga sollte ich bitte vorsichtig und mit wenig Kraft immer mal morgens nach dem Aufstehen ausüben. Dieses Video dauert nur 5 Minuten und zeigt Anfängern wie mir genau, wie der Sonnengruß funktioniert:

 

Hat die Behandlung und die eigene Einsicht schon Wirkung gezeigt?

Der Physiotherapeut sagte mir nach 4 Behandlungen, dass die Beweglichkeit meiner Wirbelsäule wesentlich besser geworden ist. Der nicht zu verbissen ausgeführte „Sport“ zeigt also erste Erfolge – genauso meine Erholungseinheiten, in denen ich komplett entspanne. Manchmal schlafe ich sogar für ein paar Minuten ein, wie beim Powernap: traumlos und erholsam.

Ein Satz zum Abschied: „Ich richte Ihren Körper nicht, damit Sie nachher wieder von Null auf Hundert gehen. Machen Sie doch immer mal ein paar Feldenkrais-Übungen, das entspannt die Muskulatur, mobilisiert die Wirbelsäule, schult die Körperwahrnehmung und verbessert die Körperhaltung! Dabei geben Sie bitte mal nur 30% von dem, was Sie sonst an Anstrengung bei Sportübungen investieren.“

Dazu habe ich bei ihm schon ein paar leichte Übungen gelernt und außerdem habe ich mir dieses Buch mit CD bestellt. Seitdem ich weiß, dass ich beim Sport keine 100% geben muss, damit er für mich wirkungsvoll ist, kann ich wieder ohne Schmerzen schwimmen und meine Pilates-Übungen durchführen. Ein zügiger Spaziergang reicht auch mal und ich möchte die noch verbleibenden 97 Tage bis Weihnachten dazu nutzen, zumindest 30 Minuten am Tag so in Bewegung zu sein, dass es meinem Körper gut tut. Eine Tracking-Uhr überwacht meine Aktivität und gibt mir ein Signal, wenn ich zu lange sitze. Ich erwarte in den nächsten Monaten keine Höchstleistung von mir, möchte einfach nur gesund und fit sein. Ich bin sicher, mit langsam aufbauendem Training schaffe ich es auch wieder, zu alter Form zu gelangen.

Ich sage euch: Das ist ein ganz neues Gefühl für mich! 

Was stresst euch, wie ist eure Körperhaltung dabei und lassen sich Rückschlüsse ziehen auf anschließende, körperliche Schmerzen? Vielleicht erkennt sich hier jemand von euch wieder. Ich bin jedenfalls meinem Rückenschmerz auf der Spur…

Bleibt gesund! Eure 

 

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2 Kommentare

  • Antwort Claudia 18. September 2015 at 8:17

    Hallo Stephie,

    Ich bin ganz bei dir. Habe auch seit über einem Jahr extreme Probleme, war ja auch bei #100 days und musste alles einstellen, ich habe allerdings Entzündungen in den Wirbelkörpern. Bin in Dauertherapie und selbst die Spritzen unterm CT haben nicht den gewünschten Erfolg gebracht. Mein Fazit ist auch, Dauerstress, Familie und Beruf gehen auf Dauer an die Schwachstellen des Körpers. Das abzustellen ist nicht einfach. Nach so langer Zeit schiebt man auch schonmal Frust, aber ich bleibe dran und geh die Hoffnung nicht auf. Feldenkrais werde ich mal austesten. Danke für den Tipp! Dir wünsche ich weiterhin einen positiven Verlauf, drück die Daumen.
    Wünsche dir noch einen tollen Tag
    Claudia

  • Antwort Anke Ramdohr 18. September 2015 at 8:05

    Hi Stephie,
    das klingt super! Das macht so viel Sinn für mich! Ich habe auch mit Nacken- und Schulter -Verspannungen und eher mit Schwindelgefühlen zu tun, aber das Verspanntsein kenne ich…ich werde mich genauer über diese Dinge informieren! Danke dafür und danke dem Physio :-) Liebe Grüße Anke

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