✩ Unser Weihnachten ✩

23. Dezember 2013
Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern ein wundervolles Weihnachtsfest mit schönen Überraschungen, harmonischem Beisammensein und eine rundum besinnliche Zeit!


Hier extra für euch ein kurzes Klavierspiel (nur die erste Strophe) vom Lieblingslied meiner Oma, das unser Sohn auf dem über 100 Jahre alten Familienpiano spielt: Ihr Kinderlein kommet!


Zum diesjährigen Weihnachtsfest möchte ich euch ein wenig daran teilhaben lassen, wie wir Weihnachten feiern.

Das Weihnachtsfest war für mich auch in der Kindheit schon eine ganz besondere Zeit, in der das Haus festlich geschmückt war, sich viele Geheimnisse tummelten und man von Tag zu Tag aufgeregter wurde. Unsere Eltern haben immer Wert darauf gelegt, dass wir Kinder ihnen nur etwas Gebasteltes schenken sollten. Selten saßen wir viel früher als am 24.12. vormittags zusammen (ich habe noch 3 Geschwister) und wir grübelten gemeinsam, was man denn noch zustande brächte. Als Geschenkpapier benutzen wir dann letztlich alte, längst ausgelesene Comicheftchen. Recycling!
Ein paar Tage vor Heiligabend verpackte meine Mutter die Butzenscheibchen der Wohnzimmertür von innen mit tollem Geschenkpapier, damit wir den wunderschön üppig geschmückten, leuchtenden Baum erst beim Öffnen dieser Tür zu sehen bekamen. Damals gab es keine Lichterketten, sondern nur echte Kerzen, dazu dicke, schöne Schleifen an den Zweigen mit Kugeln und hübschem Holzschmuck. Bevor aber die Türe auf ging, sangen wir alle gemeinsam Weihnachtslieder und erschnupperten dabei schon das lecker zubereitete Essen. Auf einer festlichen Tafel mit dem ganz besonderen Geschirr und Besteck wurde nach der Bescherung festlich getafelt. Meine Mutter ist eine wirklich gute Köchin und hat sich immer etwas ganz Besonderes einfallen lassen.
Am ersten Weihnachtstag trafen wir uns mit meinen Cousinen und Cousin (auch drei an der Zahl im gleichen Alter wie wir) mit deren Eltern bei meinen Großeltern. Das war immer ein mindestens ebenso üppiges, zauberhaftes Fest. Auch hier standen wir alle in Reih und Glied in feinster Kleidung vor dem Wohnzimmer und sangen Weihnachtslieder, bevor wir einer nach dem Anderen (leider immer die Kleinsten zuerst, womit ich erst als 6. an die Reihe kam) ins Wohnzimmer zu unserem Geschenkeberg durften. Mit einer großen Familie zusammen zu feiern ist doch etwas Besonderes! Bis spät am Abend saß man zusammen, die Erwachsenen unterhielten sich, die Kinder spielten alle gerade ausgepackten Geschenke, es wurde gut gegessen und jeder war zufrieden.
Diese Erinnerungen schmerzen mich jedes Jahr aufs Neue, da meine Großeltern leider nicht mehr leben – und diese Zeit nie wieder zurückkommen wird. Dennoch zaubert es auch ein Lächeln aufs Gesicht, in der Gewissheit eine so schöne Kindheitserinnerung haben zu dürfen.

Man muss irgendwann in der eigenen kleinen Familie wieder neue Traditionen finden. Und so laufen auch bei uns die Weihnachtsfeiertage immer gleich ab:
Am Heiligabend ist jeder meiner Geschwister mit seiner kleinen Familie zusammen bei sich zu Hause. Die älteren Kinder meines Mannes und meine Mutter kommen zu uns, somit haben auch wir wieder gemeinsam ein schönes Ritual gefunden: Am Nachmittag gehen wir in die Gemeinde zur Christvesper, wie es bei uns heißt, besuchen noch das Grab meiner Großeltern und fahren dann zu uns nach Hause. Meine Kinder spielen Weihnachtslieder auf Klavier und Geige vor, wozu wir alle gemeinsam singen – erst dann geht es zur Bescherung über und danach erst wird festlich gegessen.
Unsere Kinder haben große, rote Weihnachtssäcke, die ich vor vielen Jahren mal genäht habe. Darin versteckt das Christkind die Geschenke – manche sind zusätzlich verpackt, manche nicht. Jedes Kind zieht zunächst nur 1 Geschenk heraus und dann das Nächste. Ich mag keine Geschenke-Aufreiß-Schlachten, es soll besinnlich zugehen. Den Weihnachtsbaum bekomme ich nie so üppig hin wie meine Mutter es damals gemacht hat – sowieso verwende ich andere Farben, aber ich glaube, dass die Tanne an sich damals als Kind (wenn man eben von unten hinaufschaut) irgendwie dicker und größer wirkte als heute. Wäre interessant, später einmal zu erfahren wie unsere Kinder das dann sehen – heute ist dieser für sie der schönste Baum, den sie jemals gesehen haben…

Am ersten Weihnachtstag lassen wir mit meinen Geschwistern und den Patenkindern meiner Mutter die gleiche Tradition aufleben wie damals: alle kommen mit Partnern und Kindern am Mittag zu ihr und man feiert gemeinsam bis zum späten Abend hinein. So tragen sich Familientraditionen immer weiter – und das finde ich wunderschön – gerade zu Weihnachten!

Nachdem ich noch am 23.12. zur Einstimmung am Abend den Weihnachtsfilm „Obendrüber, da schneit es“ im ZDF gesehen habe und die letzte halbe Stunde fast nur geheult habe, möchte ich noch erwähnen, dass es auch hierzulande nicht nur glückliche Weihnachtsmenschen gibt. Nicht jeder freut sich auf Weihnachten. Wie ist es für diejenigen, die ihr erstes Weihnachten allein feiern nach einer Trennung oder dem Tod eines geliebten Menschen? Möglicherweise hat jemand erfahren, dass er/sie schwer krank ist und befürchtet, das nächste Weihnachtsfest nicht mehr zu erleben. Wie geht es denen, die im Streit leben und keinen Ausweg sehen oder denen, die ein schweres Schicksal erleben mussten? Auch an diejenigen möchte ich denken und gerade diese Menschen nicht vergessen, denn ihnen fällt es schwer zu Weihnachten froh und glücklich zu sein. 
Seien wir dankbar für alles, was wir haben und glücklich darüber, uns miteinander zu haben. Das ist das schönste Weihnachtsgeschenk!

Frohes Fest und genießt die Zeit mit euren Lieben!


Alles Liebe, eure

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1 Kommentar

  • Antwort Bianca K. 25. Dezember 2013 at 21:13

    Wunderschön geschrieben!!! So weit es geht sollte man sich diese Traditionen bewahren. Liebe Grüsse Bianca K.

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