Warum wir unser geliebtes Ferienhaus verkaufen

16. Februar 2017
Warum wir unser geliebtes Ferienhaus verkaufen. Unsere Villa Robinson

Vor etwas mehr als zehn Jahren haben wir uns als Familie etwas Besonderes gegönnt: Wir haben ein Ferienhaus auf der Nordseeinsel Borkum gekauft. Es war ein inseltypisches Backstein-Gebäude mit vier Wohnungen. Der Plan war, die oberen drei Wohnungen an Feriengäste zu vermieten und uns damit finanzieren zu können, das gesamte Erdgeschoss nur für uns allein zu haben. Das hat prima funktioniert!

Warum wir unser geliebtes Ferienhaus verkaufen. Möwe im Sonnenuntergang

Eins meiner Lieblingsbilder von Borkum.

 

Die Insel Borkum schien für uns genau das richtige Ziel zu sein, denn von unserem Zuhause aus fuhren wir gerade mal zweieinhalb Stunden bis zum Hafen. Und ich sage euch: Steigt ihr am Hafen aus dem Auto, atmet tief ein und besteigt die Fähre nach Borkum, dann ist schon Urlaub! Das Gefühl werde ich garantiert vermissen.

 

Unvergessliche Zeiten auf Borkum

Wir haben ganze zehn Jahre lang den Luxus genossen, eine wunderschöne Wohnung mit großem Garten auf Borkum ganz für uns allein zu haben. Nicht nur als Familie verbrachten wir alle Brückentage und Ferien der Kinder auf Borkum. Gern kamen Freunde mit, die Platz in einer der anderen Wohnungen fanden oder wir nahmen mal Freunde unserer Kinder mit. 

Warum wir unser geliebtes Ferienhaus verkaufen.  Drachen steigen lassen

Drachen steigen lassen am Strand zu jeder Jahreszeit

 

Jede Jahreszeit war ein Traum! Denn egal, ob der Sommer verregnet oder heiß war, wir hatten unseren Platz, den wir kannten und liebten. Nach und nach lernten wir Einheimische und andere Wiederkehrer-Feriengäste kennen. Es bildete sich im Laufe der Jahre eine wundervolle Community, die sich schon verabredete, wer zu welcher Zeit auf der Insel weilt. In meinem Beitrag „Borkum, Borkum…“ lest ihr mehr dazu.

Unsere Kinder waren beim Kauf des Hauses gerade mal zwei und fünf Jahre alt, was bedeutet, dass sie quasi auf Borkum groß geworden sind. Durchschnittlich alle sechs Wochen waren wir schließlich wieder auf der Fähre in die zweite Heimat. Unsere Tochter klagte mitunter als Dreijährige, wenn wir mal länger nicht auf Borkum waren:

„Wann fahren wir mal wieder in das schöne Zuhause?“ 

 

Warum wir unser geliebtes Ferienhaus verkaufen. Kinder spielen im Garten

Die Kinder haben den Garten geliebt. Sommer 2006

 

Alle Jahre wieder – alle Jahreszeiten durch

Im Januar haben wir die ersten Tage des neuen Jahres begrüßt, im Februar flohen wir vor dem Karneval, Ostern suchten die Kinder Borkumer Ostereier und alle Mai-/Juni-Feiertage verbrachten wir unter Borkums Sternen. Gleich im Juli/August bekamen wir wieder Nordsee-Fernweh, sobald die Sommerferien begannen. Auch der Herbst schenkte uns wundervolle Strand -Spaziergänge, die Reife des Sanddorns und oft herrliche Sonne mit blauem Himmel. Selbstverständlich setzten wir uns gleich nach Weihnachten wieder auf die Fähre, um mit allen Borkum-Freunden Silvester zu feiern.

 

Warum wir unser geliebtes Ferienhaus verkaufen. Schneeberge an Borkums Strand

Schneeberge an Borkums Strand, Januar 2011

 

Ist es nicht irgendwann mal genug? Nein, uns wurde es nie genug, da wir ein eigenes Haus hatten, in dem sich jeder von uns wohlfühlte. Die Kinder hatten jeder ein eigenes Zimmer und freuten sich jedes Mal wieder auf ihre Borkum-Spielsachen, die dort blieben. Wir fanden Rituale, wie selten vor Mittag das Haus zu verlassen und Abends in einem der schönen Restaurants gemeinsam mit Freunden zu essen. Wir brachten immer mehr Freunde mit auf die Insel, die selbst zu Borkum-Fans wurden.

 

Warum wir unser geliebtes Ferienhaus verkaufen. Unsere Villa Robinson

Unsere Villa Robinson auf Borkum

 

Für Kinder ist ein Ferienhaus zweite Heimat

Nicht zu unterschätzen ist, dass gerade kleine Kinder sich in einem eigenen Ferienhaus sehr wohlfühlen. Sie haben dort nicht nur ihre eigenen Sachen, sondern auch ein vertrautes Umfeld. Unsere Kinder wurden auf Borkum schnell selbständig.

So gern denke ich daran zurück, wie meine beiden Kindergartenkinder Hand in Hand zum Ende der Straße gingen, mit Jutebeutel in der Hand, um frischen Borkum-Honig zu kaufen! Sie bekamen jedes Mal Bonbons von der alten Dame geschenkt und ich stand heimlich hinter dem Busch, um zu beobachten, ob sie den Weg sicher meistern. Kauend und stolz kehrten sie zurück und schmierten sich als erste den frischen Honig aufs Brötchen.

 

Warum wir unser geliebtes Ferienhaus verkaufen.  Frühstück im Garten

Frühstück im Garten, oft auch schon im April

 

Wie oft wir draußen gefrühstückt haben! Ach, was war das schön! Auf der großen Terrasse fand sich immer ein Fleckchen Sonne, das sich ausnutzen ließ. Oft wechselten wir nach dem Abräumen des Frühstückstisches direkt in die bequemen Liegenstühle und ließen die Seele baumeln. Zum Strand gingen wir erst, wenn die ersten Familien auf dem Rückzug waren. Luxus pur!

Dafür zogen wir nicht selten mitsamt unserer Strandtaschen direkt vom Sand in die Strandbar, um den Abend ausklingen zu lassen. Die Kinder blieben im großen Pulg gern im Sand und spielten – in Sichtweite – weiter. Bei Hunger und Durst kamen sie zu uns, aber oft mussten wir sie einsammeln, weil es doch schon zu dunkel wurde. Lange, wunderschöne Abende verbrachten wir in immer größer werdenden, lustigen Runden im geliebten Strandcafé. Diese werden immer unvergessen bleiben. Genauso die großen Pizza-Lieferungen gegen Abend, die uns direkt zu den Strandkörben gebracht wurden.

 

Die Entwicklung der Kinder ist ganz anders an einem bekannten Ferienort

Ich gebe zu, dass ich früher oft Familien belächelt habe, die immer wieder an den selben Ferienort fuhren. Und plötzlich – als junge Mutter – lernte ich es lieben. Die Kinder waren entspannt, wir Eltern auch. Unsere Kinder lernten in null-komma-nix das Fahrradfahren im Straßenverkehr. Da wir zu Hauser eher bergig wohnen und sehr viel Autoverkehr herrscht, bedeutet das Radfahren hier weniger Spaß sondern eher Gefahr für Kinder. Auf Borkum war das ganz easy. Die Verkehrsregeln waren schnell gelernt und die Kinder hatten viel Bewegungsspielraum.

 

Warum wir unser geliebtes Ferienhaus verkaufen.  Radfahren auf der Insel

Fahrradtouren über die Insel haben wir immer genossen

 

Auch, wenn wir im Städtchen unterwegs waren, gab es immer eine Stelle, an der wir uns verabredet haben. Die Kinder konnten also schon im Vorschulalter allein „shoppen“ gehen. Wir warteten derweil im vereinbarten Café. Das hat unseren Kinder so viel Selbstbewusstsein und Mut gegeben. Alle Geschäftsinhaber und Restaurant-Betreiber auf Borkum kannten schließlich unsere Kinder und wussten, wohin sie gehören. Wenn ihnen etwas komisch vorkam, konnten wir auf sie zählen. Das gab uns Eltern eine große Freiheit und unseren Kindern sowieso. 

Dennoch haben wir selbstverständlich als Familie viel miteinander unternommen: Fahrradtouren, Schwimmbad Besuche, Malkurse, Ferienaktionen, Strandspiele, Schwimmen und Angeln im Meer, Kraxeln im Kletterpark und so vieles mehr. Es gab immer wieder Neues zu entdecken, auch wenn wir so oft auf der Insel waren. 

 

Abwechslung ist auch wichtig

Wir achteten immer darauf, dass wir nicht alle langen Ferien nur auf der Insel verbrachten. Schließlich reisen wir immer schon gern und wollten auch mit kleinen Kindern die Welt weiter entdecken. So haben wir immer ein paar Wochen der Sommerferien oder die Hälfte der Oster- und Herbstferien dazu genutzt, andere Orte zu sehen. Da mein Vater auf Mallorca lebt, waren im Herbst auch gern dort oder wir unternahmen Skiurlaube zu Ostern, alternativ Kreuzfahrten durch Europa.

Diese Abwechslungen im Urlaubsmodus waren uns wichtig, um den Kindern den Blick für die Welt zu öffnen. Borkum war für uns dann immer wieder die Basis, zu der es uns wieder zurückzog.

 

Wenn doch alles so toll war:
Warum haben wir das Haus schließlich verkauft?

Unsere Kinder kennen Borkum wahrscheinlich besser als die Stadt, in der wir dauerhaft leben. Sie haben sich dort immer wohlgefühlt. Und doch sind sie inzwischen Teenager und wollen die große Welt entdecken. Wir sind glücklich darüber, dass wir Fernreisen finanziell stemmen können und freuen uns, dass die Kinder Interesse an anderen Ländern der Erde haben.

An meinen Reiseberichten des letzten Jahres konntet ihr ablesen, dass wir nicht mehr viel Zeit für Borkum übrig hatten. So haben wir erstmals unsere geliebte Wohnung auf Borkum auch an Fremde (sonst nur an Freunde) vermietet. Als wir dann im Herbst nach Mallorca wollten und nach Weihnachten erstmals zu Hause blieben, war uns klar, dass die Borkum-Zeit ein Ende gefunden hatte.

 

Alles hat seine Zeit

Wir sprachen mit den Kindern über mögliche Urlaubsziele 2017 und stellten fest, dass Borkum auch diesmal nicht darin vorkam. Schade eigentlich, aber alles hat seine Zeit, nicht wahr? Als die Kinder klein waren, gab es nichts besseres für uns, als ein eigenes Feriendomizil zu haben. Doch jetzt – als Teenager – sind andere Dinge interessant. Sie wollen und sollen die gelernten Fremdsprachen im real life ausprobieren und festigen. 

Sie sollen Land und Leuten kennen lernen, verstehen, wie andere Menschen leben und Einblicke in andere Kulturen gewinnen. Wir möchten nicht als typische Touristen ein Land erleben, sondern deren Traditionen und Lebensweisen kennen lernen, deren Esskultur verstehen und ausprobieren. Das durfte ich als Kind auch erleben und es eröffnet Horizonte. 

Somit kleben wir nicht an dem einst so geliebten Haus und können es mit Dankbarkeit abgeben. Wir sind dankbar, dass es uns so lange eine zweite Heimat war und wir werden immer daran denken, was es uns bedeutet hat. So unzählig schöne Momente und Begegnungen, die wir in diesem Haus und rundherum hatten, diese werden die ganze Familie immer begleiten. 

Unsere lieben Freunde werden uns weiterhin begleiten, wenn auch nicht mehr so oft auf Borkum. Wir sehen uns anderswo…

 

Warum wir unser geliebtes Ferienhaus verkaufen.  Karibische Sonnenuntergänge

Karibische Sonnenuntergänge auf Borkum

 

Ade, du schönes Haus! Wir haben dich wirklich geliebt und werden dich nie vergessen!

So ganz werden wir Borkum nicht den Rücken kehren. Sicherlich werden wir das eine oder andere Mal noch gern dort hin reisen, um ein Revival zu erleben. Nur dann eben in einem Hotel oder gemieteten Ferienhaus. Das ist nämlich auch schön…

Auf bald,

Unterschrift Stephie

 

 

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12 Kommentare

  • Antwort Martin Tausendfreund 26. September 2017 at 22:54

    Hallo Stephie. Wir durften im Sommer 2016 zu Gast sein in Ihrer Ferienwohnung Achtern. Es war ein wundervoller schöner Urlaub. Gerne würden wir wiederkommen. Leider fehlt und die neue Kontaktadresse. Herzliche Grüße aus Thüringen

    • Antwort Stephie 27. September 2017 at 10:15

      Vielen Dank für das Feedback. Gerade noch sprachen wir davon, wie sehr uns die Insel fehlt… Die neue Kontaktadresse haben wir selbst leider auch nicht, nur die eines Vermittlers. Diese sende ich gerne per Email. Viele Grüße und viel Spaß auf Borkum!

  • Antwort Hedwig 19. April 2017 at 8:38

    Guten Morgen. Nach all den schönen Geschichten über Borkum und das Haus würden wir nur all zu gern eine Ferienwohnung in diesem Haus buchen. Allerdings finde ich keine Kontaktadresse. Könnten Sie mir da behilflich sein? Liebe Grüße

    • Antwort Stephie 19. April 2017 at 17:20

      Liebe Hedwig,
      leider haben wir selbst nur die Kontaktadresse des Maklers vor Ort, der aber sicherlich sehr gern weiterhilft: Torsten Juilfs Immobilien, Borkum. Viel Spaß auf der Insel und lieben Gruß, Stephie

  • Antwort Dési/Jokihu 17. Februar 2017 at 15:50

    Ja, das mit den Kids kenne ich. Meine Schwiegereltern haben ein Haus auf Rømø, wo wir immer sehr oft waren. Genau wie du beschreibst, man steigt aus, lässt sich die Nordseeluft um die Nase wehen und man ist im Urlaubsmodus. Jetzt mit 13 hat sie oft keine Lust mehr….. Aber letztens kam die Frage:ob sie da nicht mal alleine mit Freunden hin kann. Ja ne ist klar;) Damit warten wir noch ein paar Jährchen;)

    • Antwort Stephie 19. Februar 2017 at 6:06

      Liebe Dési,
      auf Rømø ist es sicher auch wunderschön. Da möchte ich ja auch mal gerne hin. Haha, mit 13 Jahren schon Urlaub allein mit Freunden ist schon eine süße Idee. Sie arbeitet sich wohl langsam vor ;-) Liebe Grüße, Stephie

  • Antwort Suse 17. Februar 2017 at 15:24

    Das klingt alles sehr liebevoll und nur wenig nach Abschiedsschmerz. Also ist Eure zeit dort tatsächlich zu Ende. Aber die schönen Erinnerungen bleiben, das ist toll.
    Liebe Grüße
    Suse

    • Antwort Stephie 19. Februar 2017 at 6:09

      Liebe Suse,
      der Abschiedsschmerz rückt doch langsam näher. Wir sind froh, diesen Abschied gemeinsam mit Freunden zu begehen. Dann fällt es vielleicht nicht ganz so schwer. Aber der Abschied ist selbst gewählt und wir werden die Insel und unsere Freunde weiter besuchen. Nicht mehr so oft, aber alles Erlebte bleibt unvergessen. LG, Stephie

  • Antwort Eva 17. Februar 2017 at 14:19

    Liebe Stephie, ein wunderschöner Artikel. Eine Liebeserklärung an Kinder, an Borkum, ans Reisen und ans Loslassen! Wie gern hätte ich auch so gerne einen Auszeitort. Lieben Gruß Eva

    • Antwort Stephie 17. Februar 2017 at 15:04

      Vielen Dank für die schönen Worte, liebe Eva!

  • Antwort Anne 17. Februar 2017 at 8:03

    Erst vorgestern erzählt mir mein Mann, dass ihm ein Kollege erzählt habe wie schön Borkum doch sei. Und ich ihm erzählt habe, dass ihr ein Haus dort habt und wir bestimmt mal eine Wohnung mieten können
    Schön geschrieben, Stephie. Bei uns ist es ja jetzt quasi erstmal andersherum.

    • Antwort Stephie 17. Februar 2017 at 11:49

      Liebe Anne,
      die neue Eigentümerin wird die Wohnungen wohl weiterhin an Feriengäste vermieten. Borkum lohnt sich immer!
      Alles Liebe, Stephie

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