Das verflixte 7. Schuljahr geht in die nächste Runde

30. Januar 2014
Bisher habt ihr in Schulfragen bis auf meine Lerntipps und die Gedanken zum Schulübertritt noch nicht allzu viel auf meinem Blog gelesen. Woran das liegt?
ES LIEF! Vergangenheitsform? Natürlich läuft es natürlich immer noch, aber im 7. Schuljahr gibt es gewisse Unwägbarkeiten, die ich bis zuletzt verdrängt habe.

Unser Erstgeborener war immer ein sehr guter Schüler, der allerdings gleich zu Anfang (nach geschätzten 3 Wochen) die üblichen Zicken bei den Hausaufgaben machte. „Das hat Herr … aber so gesagt! Das müssen wir nicht! Wir schreiben das aber so!“ Puh, da muss man als Mutter einfach mal schlucken, schmunzeln können und sich zurückziehen. Konnte ich aber nicht – also gab es jeden Mittag Zoff. Irgendwann wurde es mir so bunt, dass ich den Klassenlehrer um Hilfe bat – ich wollte mich nicht mehr tagtäglich mit meinem Sohn wegen der Hausaufgaben streiten und sah die nächsten 12 Jahre dunkelschwarz vor mir. Sein alles wieder glättender Rat: „Lassen Sie ihn alles allein machen, das schafft er. Er braucht die Kontrolle nicht und wenn er Fehler macht, sehe ICH wenigstens, wo ich noch etwas erklären sollte.“ AHA! Das muss einem als frischgebackene Schulmama auch mal jemand sagen. Die Kinder sollten also nicht mit korrigierten Hausaufgaben kommen, sondern so wie sie es selbst gelöst haben. Ganz wichtiger Tipp für Schulanfänger-Mamas!

Soweit war ich also aus dieser Nummer heraus und ich stellte fest: mein Sohn kam bestens klar! Unnötiger Streit war ausgeräumt. Nun ging das 7 Jahre lang gut. Wir lernten gemeinsam für die anstehenden Arbeiten, aber zugegebener Maßen auch nur frühestens 2 Tage vorher. Das reichte, man musste ihn nur abfragen – verstanden hatte er immer schon alles in der Schule. Also bekam er auch nach der 6. Klasse ein so tolles Zeugnis, dass er in allen derzeit möglichen Fächern selbstverständlich direkt in die E-Kurse kam (Erweiterungskurs, der gymnasiales Niveau auf einer Gesamtschule hat und relevant ist für die Zulassung zum späteren Abitur).

Nun ist das 7. Schuljahr gerade mal ein Halbjahr alt und was passiert? Alles wird plötzlich anders – nicht nur bei ihm, sondern bei nahezu allen Schülern (wenige Ausnahmen gibt es ja immer). Dabei war ich immer froh sagen zu können, dass er zumindest schulisch noch keine pubertären Anwandlungen hat. Er gibt sich also immer noch Mühe, erledigt seine Hausaufgaben selbständig, macht im Unterricht gut mit und trägt dort zu Lösungen bei. Soweit doch alles prima.
Was also hat sich geändert? Als die erste unerfreuliche Klassenarbeitsnote zu Hause ankam, schämte ich mich fast, sofort bei der zuständigen Lehrerin um einen Gesprächstermin zu bitten – gleich bei der ersten schlechten Note auf der Hose hüpfen? Nein, jeder hat mal einen schlechten Tag und das darf auch mal passieren, um wieder neue Lern-Motivation zu schöpfen –> zurück zum Sinn des Lernens. Doch machte ich mir Sorgen als ich sah, WAS da alles falsch war in der Arbeit, daher auch mein Gesprächswunsch mit der Lehrerin (gleichzeitig auch Klassenlehrerin). Die Grammatik war komplett richtig, aber der frei geschriebene Text eine Katastrophe! Es ging hier um das Fach Englisch, was er bis vor einem halben Jahr immer noch mit einer Eins abschloss. Was also war los? Das Gespräch verlief wunderbar und die Lehrerin bestärkte mich, dass der frühe Besuch bei ihr genau richtig war – es war für mich und unseren Sohn sehr aufschlussreich. Ihre Erklärung dazu teile ich hier gern mit euch, da es sicher auch bei euch den einen oder anderen gibt, der sich sorgt. Warum sagt man immer: „Das 7. Schuljahr ist eins der Schlimmsten“?

Bis zum Ende der 6. Klasse werden REGELN gelernt, d.h. für Englisch werden Vokabeln abgefragt und Grammatikregeln erlernt. Die Grammatik wird oft „stur“ abgefragt und zwar nacheinander. Hier gilt es (vor allem für mathematisch begabte Kinder wie unseren Sohn) also nur auswendig zu lernen und das Muster immer wieder auszuführen. Nun aber ab der 7. Klasse werden diese Regeln nur noch zusätzlich abgefragt und es geht hauptsächlich um die Anwendung derer.

Im Klartext: Es gibt keine Lückentexte mehr, wo eingesetzt werden muss o.ä., sondern es werden frei zu schreibende Texte benotet und zwar machen diese direkt 50% der Gesamtnote aus – bisher nur max. 20%. Diese freien Texte sind z.B. eine Email an einen Freund, die ab sofort bitteschön nicht nur grammatikalisch richtig zu sein haben, sondern auch noch emotional und malerisch ausgedrückt und ausgeschmückt werden müssen. 

In Mathe und den anderen Fächern ist das ähnlich. Auch hier werden bis dato gelernte Systeme nicht mehr vorgegeben, sondern müssen selbständig gefunden und richtig angewandt werden. Die Bewertung der Klassenarbeiten verschiebt sich und das müssen die Kinder erst begreifen und lernen. Es fluppt also nicht mehr von ganz allein, sondern den Kindern wird plötzlich viel mehr abverlangt.

Bei uns heißt das nun, dass unser Sohn nun jedes Wochenende einen freien Text zu einem selbst ausgesuchten Thema schreiben soll. Das darf ein Aufsatz über das letzte Fußballspiel sein, wenn er mag. Ich denke, das sollte ihm Spaß machen, sonst bringt es nichts. Durch das stetige Üben lernt er eine lebendige Erzählweise und die Satzanfänge zu variieren. Hoffen wir zumindest ;-)

Nächste Woche gibt es das Halbjahreszeugnis, das immer noch im erfreulichen Zweierbereich ausfallen wird, denn eine schlechte Arbeit gilt auch heute noch wie damals als „Ausrutscher“. Das verflixte 7. Schuljahr geht also in die zweite Runde – die neuen Anforderungen werden nun als neue Herausforderung begriffen und ich bin inzwischen wieder gelassener. Mein Sohn wird das meistern – wie immer!

Scheut euch nicht, gemeinsam mit eurem Kind ein schnelles Gespräch mit entsprechenden Lehrern zu führen. Es klärt Vieles und bringt euch auf neue Wege, die ab der 7. Klasse nun mal erforderlich sind – bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger – bei dem einen eher, bei dem anderen vielleicht später!

Alles wird gut! Eure

 

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1 Kommentar

  • Antwort Anonymous 3. Februar 2014 at 18:06

    Ich habe erst vor ein paar Tagen das Buch „Briefe an Sofie“ aus der Hand gelegt. Hier schreibt ein Papa an seine Tochter, die aufs Gymnasium geht. Ich kann das Buch jedem ans Herzen legen, denn es regt zum Nachdenken an. Unsere Kinder sollen immer TOP-Leistungen bringen – in der Schule, die Besten in einer Sportart sein und natürlich ein Instrument perfekt und voller Leidenschaft beherrschen – und das alles für später, für die Zukunft. Wieviel „LEBEN“ haben unsere Kinder JETZT? Waren wir immer 1er-Schüler? Ich denke, ein gesundes Gleichgewicht ist genau richtig, wichtig ist, dass die Kinder die Dinge verstehen – und ganz ehrlich, wen interessiert es später einmal, ob unser Kind in der 6. oder 7. Klasse mal eine Arbeit „verhauen“ hat. Konzentrieren wir uns lieber auf das Wichtige: unsere Kinder so zu lieben wie sie sind:)

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